© Conrad Engelhardt
Strudelhof groß
Zu einem Strudel trinkt man bei Andreas Bellini (Foto) und Karoline Köppe einen Melange, Einspänner oder auch kleinen Braunen.
Es sind die historischen Fliesen auf den Wänden, die den Blick auf sich ziehen. Mal blauweiß in Delfter Muster, mal in tiefdunklem Grün stammen sie noch vom ehemaligen Lebensmittelladen Salomon, der in letzter Generation bis Ende der 1980er Jahre betrieben wurde. Lange standen die Räume danach leer, ehe sie 2011 zum einwöchigen Kunstevent „Salomon“ wieder in den Blickpunkt rückten. Seither wurde das gesamte Haus saniert. Die Fliesen blieben erfreulicherweise erhalten und so erleben sie, kombiniert mit dunkelbraunem Kaffeehausgestühl und kristallenem Kronleuchter, im Kaffeehaus von Karoline Köppe und Andreas Bellini ihr Comeback.
Das Konzept ihres Strudelhofes liegt im Namen verborgen: hier dreht sich alles um den Teigwickel. Wer die hierzulande üblichen Apfelstrudel kennt, mag sich wundern, denn die hier bereiteten werden mit deutlich dünnerem Teig serviert. In der süßen Variante sind sie in vielen Füllungsvariationen als Sauerkirschen-Topfen, Marillen- oder Apfelstrudel zu haben. Ebenso interessant sind die pikanten Ausführungen, etwa mit Lachs-Spinat- oder Kartoffel-Bauernspeck-Füllung. Das Angebot beinhaltet neben dem Frühstück auch Speisen wie Käsekrainer oder Frankfurter mit Meerrettich, Semmel und Senf. Auf einer erstklassigen Siebträgermaschine werden dazu alpenländische Kaffeespezialitäten wie Melange, Einspänner, Kleiner Brauner, Fiaker oder Verlängerter gebrüht. Der „Coffee-To-Go“- Generation mögen die nicht geläufig sein, aber hier setzt man ohnehin auf andere Werte: Zeit für wahren Genuss, gezielte Entschleunigung. Passend hängen und liegen überregionale Zeitungen parat, wer mag, nimmt sich das bereitstehende Brett und spielt Schach. Jetzt im Sommer sitzt man auch gemütlich draußen vor dem Haus unter einem Weinstock.Der wird zum Herbst in den Innenhof verpflanzt, um dem geplanten Hofgärtchen im nächsten Sommer einen stilsicheren Mittelpunkt zu geben. Bei ungünstigem Wetter bleibt der Innenraum mit seiner Erinnerung an die guten alten Zeiten.
Strudelhof Kaffeehaus, Otto-von-Guericke-Straße 66, Tel. 58245365, Di-Do 10-20 Uhr/Fr.-Sa. 10-23 Uhr, So: 10-18 Uhr

