Mitten im Aufstand "Frau, Leben, Freiheit" klettert die sechzehnjährige Iranerin Badjens bei einer Demonstration in Shiras auf einen Müllcontainer, um in aller Öffentlichkeit ihr Kopftuch zu verbrennen. Während sie vor einer Menschenmenge steht, die sie anfeuert, zieht in Rückblenden ihr bisheriges Leben an ihr vorbei: ihre unerwünschte Geburt, ihr konservativer Vater, ihr Smartphone voller rebellischer Hits, ihre Freundinnen, ihre erste Liebe, ihr Körper, der nach Freiheit verlangt, und die Kleiderordnung für Frauen, die dieses Stück Stoff auf dem Kopf vorschreibt, von dem Badjens sich unbedingt befreien will ...
Ausgehend vom Roman "Badjens" rückt die Begegnung zwischen der Autorin Delphine Minoui und Anne Hahn Fragen weiblicher Selbstbestimmung ins Zentrum: Was bedeutet Emanzipation in einer Gesellschaft, die über den Körper von Frauen verfügt? Wie entsteht Widerstand – und welchen Preis hat er? Es eröffnet sich ein Gespräch über Frauenrechte, über Mut zur Sichtbarkeit und über die Kraft des Erzählens als Form von Selbstermächtigung. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Geschichte der jungen Badjens, sondern die grundsätzliche Frage, wie aus individuellen Stimmen eine gesellschaftlicher Bewegung wird, und, welche Rolle Literatur spielen kann, wenn es darum geht, Freiheit zu verteidigen und sichtbar zu machen.
Delphine Minouis Mutter ist Franko-Iranerin. Sie arbeitet als Auslandskorrespondentin für die Zeitung Le Figaro, hat lange im Iran gelebt und berichtet seit 25 Jahren über das Geschehen im Nahen und Mittleren Osten. 2006 wurde sie für eine Artikelserie über den Irak und den Iran mit dem Prix Albert Londres ausgezeichnet. Ihre reportageähnlichen Erzählungen Je vous écris de Tehéran und Les Passeurs de livres de Daraya (Grand Prix des Lectrices ELLE 2018) waren in Frankreich große Erfolge und wurden in etwa ein Dutzend Sprachen übersetzt. 2023 erhielt sie für ihren ersten Roman L’Alphabet du silence den Prix Constantinople. Badjens war Finalist für den Prix du Roman FNAC 2024 und wurde mit dem Prix des Visionnaires 2025 ausgezeichnet.
Anne Hahn, 1966 in Magdeburg geboren, organisierte in Magdeburg Punk-Konzerte, bis sie im Mai 1989 einen Fluchtversuch aus der aserbaidschanischen Republik in Richtung Iran unternahm. Nach einer sechsmonatigen Haft studierte sie in Berlin Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik. Seit 1999 ist Anne Hahn als Autorin tätig, publizierte zahlreiche Porträts und Rezensionen. Ihre Wende-Erlebnisse verarbeitete sie im Roman Dreizehn Sommer, der 2005 bei Schirmer/Graf in München und 2014 in neuer Ausgabe als Gegenüber von China im Ventil Verlag erschien. Es folgten Biografien, Sachbücher und Romane: DreiTagebuch, (Ventil Verlag, 2014), Das Herz des Aals, Ventil Verlag 2017, zuletzt mit Frank Willmann: Vereint im Stolz - Fußball, Nation und Identität im postjugoslawischen Raum, BfpB 2021, das literarische Sachbuch Lebus - Ein Ortsporträt, culturcon medien 2021 und 2023 der Roman Anne Hahn träumt Christian Beck bei Volandt & Quist.
Ein geselliger Einlass ab 19:00 Uhr bei einem Glas Wein lädt zum Ankommen und Austausch ein. Ab 19:30 Uhr Lesung & Gespräch
Moderation: Grit Michelmann
Auf Deutsch und Französisch mit Simultanübersetzung
"Über den Buchrand", die neue literarische Reihe des Institut français Sachsen-Anhalt verbindet Lesungen, Diskussion (und die Freude nicht immer gleicher Meinung zu sein) sowie kreative Aktivitäten in der Stadtbibliothek Magdeburg und lädt dazu ein, neue inklusive Perspektiven kennenzulernen und selbst einen Blick über den Buchrand zu wagen.
"Über den Buchrand" ist ein Projekt des Institut français Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Stadtbibliothek in Kooperation mit der Stadtbibliothek Magdeburg und dem Christopher Street Day Sachsen-Anhalt e.V. mit der Unterstützung der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt und des Fachbüros für Buch- und Verlagswesen des Institut français Deutschland.


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