State of Latitude ist eine vierteilige Komposition, die vier vom Krieg tiefgreifend veränderten ukrainischen Landschaften gewidmet: dem Nationalpark Swjati Hory, dem Sywaschsee, der großen Steppensenke Velykyi Chapelskyi Pid und dem Kamianska Sich-Nationalpark. Jeder der vier Naturräume, einst Orte blühender Diversität, ist heute von Besatzung, Zerstörung und langfristigen ökologischen Schäden durch den russischen Angriffskrieg betroffen. Die Klangkünstlerin Khrystyna Kirik begreift die Natur nicht als bloße Kulisse der Kampfhandlungen, sondern als lebendigen Organismus, der die Gewalt in sich aufnimmt und ihre Folgen noch lange nach dem Ende der aktiven Kämpfe in sich trägt. State of Latitude fängt die Rhythmen und Prozesse der jeweiligen Orte, die aktuell zum Teil nicht mehr betreten werden können, musikalisch ein. Durch das räumliche Arrangement des Sounds, der sich u.a. aus Naturgeräuschen, elektronischen Texturen und Erinnerungen an das ukrainische Lied Oi, Bozhe, Bozhe, z takoiu hodynoiu… zusammensetzt, und der Videoarbeit des Kyjiwer Studios u2203 übersetzt Kirik aktuelle Ereignisse in eine ganz eigene, minimalistische, sinnliche Ästhetik.
Khrystyna Kirik (*1995 in Kyjiw) ist Sound-, Medien- und Performancekünstlerin. Die ausgebildete Jazz-Kontrabassistin arbeitet mit selbst gebauten Sound-Objekten, Field Recordings, Neofolk-Gesangstechniken und tiefen Tonfrequenzen, die spürbar im Körper resonieren.
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© Nicole Eggeling
