Der 2020 im Alter von 91 Jahren verstorbene Ennio Morricone hat die musikalische Welt des Kinos geprägt wie kaum ein anderer: Sein unverwechselbarer Sound ist untrennbar mit Italo-Western wie Spiel mir das Lied vom Tod und Für eine Handvoll Dollar verbunden, aber auch mit Klassikern anderer Genres wie Es war einmal in Amerika, Die 120 Tage von Sodom und Cinema Paradiso.
Der spanische Choreograf, Fotograf und Filmregisseur Marcos Morau – 2023 und 2025 von der Zeitschrift tanz zum Choreografen des Jahres gewählt – ist mit Morricones Musik aufgewachsen und setzte ihm im August 2024 mit seiner ersten Arbeit für die international renommierte Compagnie Aterballetto aus dem italienischen Reggio Emilia ein Denkmal. Dabei geht es Morau nicht um eine Bebilderung oder Nacherzählung der Filmstoffe, sondern um den unermüdlich schöpferischen Komponisten selber – dargestellt von bis zu 16 Tänzer:innen: „Notte Morricone („Morricone-Nacht“) entfaltet sich in der Dämmerung einer gewöhnlichen Nacht im Leben eines Schöpfers, der sich – allein und benommen vor seinen Notenblättern – Notizen macht und Melodien für Filme visualisiert, die noch nicht existieren, und so Geschichten in der dünnen Luft seines Zimmers wieder zum Leben erweckt. […] Morricones Musik verlieh den Dingen, die ungesagt bleiben, die im Inneren verborgen bleiben, einen Klang. Seine Musik von den Filmen zu trennen, ist eine komplexe und fast selbstmörderische Aufgabe, aber ich weiß, dass er heute sehr glücklich wäre zu wissen, dass seine Musik sich vom Kino emanzipieren und heute Abend in einem Theater weiterleben könnte.“
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© HL Böhme

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