Langzeitarbeitslosigkeit ist in unserer Region nach wie vor ein großes Problem. Ein neues Arbeitsmarktprogramm der Landesregierung soll hier Abhilfe schaffen. Es ist vor allem auf Personen ausgelegt, die aufgrund eines niedrigen Bildungsstandes schwer einen Job finden. Insgesamt 2.000 Plätze stehen dabei zur Verfügung.
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Sternbrücke
Rosige Zukunft? Ein neues Programm der Landesregierung soll Langzeitarbeitslosen bessere Chancen auf dem Jobmarkt verschaffen.
Wer länger als zwölf Monate arbeitslos ist, zählt bereits dazu. Grundsätzlich gilt: Je länger eine Arbeitslosigkeit besteht umso mehr schwinden die Chancen darauf, eine Stelle zu finden. Heutzutage haben es schlecht ausgebildete Menschen so schwer wie nie zuvor. Ohne eine grundlegende Qualifizierung ist es fast unmöglich, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Genau hier setzt die Initiative des Landes an.
Worum geht es bei dem Programm?
„Stabilisierung und Teilhabe am Arbeitsleben“, so lautet der Titel des ehrgeizigen Projekts. Profitieren können Langzeitarbeitslose ab einem Alter von 35 Jahren, die schwer in den Arbeitsmarkt zu integrieren sind. Durch das Programm werden Initiativen unterstützt, die den Arbeitslosen beim Einstieg helfen. Dies können spezielle Integrationsbetriebe sein, die den Betroffenen besondere Hilfestellungen geben, welche ansonsten unüblich sind oder einen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Durch die finanzielle Unterstützung können die Teilnehmer dann etwa zusätzlich durch Sozialarbeiter betreut werden, die als Ansprechpartner für die spezifischen Probleme zur Seite stehen.
Über niederschwellige Beschäftigungsangebote sollen Möglichkeiten geschaffen werden, den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden. Drei Jahre dauert die Eingliederungsphase, so sieht es die Initiative vor. Gerade Langzeitarbeitslose haben oft zusätzlich zu einer unterdurchschnittlichen Berufsqualifikation noch mit weiteren Problemen zu kämpfen.
Kay Senius, Leiter der Regionaldirektion der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalts und Thüringens bekräftigt hier die Notwendigkeit einer intensiveren Betreuung. „Jemand, der lange zu Hause war, kann nicht sofort von Null auf 100 wieder im Job funktionieren, zumal sich die Anforderungen im Beruf rasant verändern“, so Senius. Durch das Schrittweise Heranführen an ein geregeltes Arbeitsleben sollen die Chancen auf einen gelungenen Wiedereinstieg erhöht werden.
Langfristige Auswirkungen einer andauernden Arbeitslosigkeit
Wer länger arbeitslos ist, hat oftmals schon das Problem, diese lange Zeit bei einer Bewerbung zu rechtfertigen. Für viele Personaler ist dies ein klares Ausschlusskriterium. Soziale Aspekte, wie etwa die Hintergründe zu einer längeren Arbeitslosigkeit spielen in der heutigen Leistungsgesellschaft meist keine Rolle. Dennoch sollte jeder bei den Angaben im Lebenslauf ehrlich sein. Denn Falschaussagen können später zu echten Problemen führen. In manchen Fällen kann es helfen, sinnvolle Erklärungen für die lange Phase anzugeben, etwa das Betreuen von Kindern oder anderen Familienangehörigen oder auch einen Wohnortwechsel.
Je länger eine Arbeitslosigkeit dauert, umso größer wachsen die Zweifel an sich selbst und seinen Fähigkeiten. Viele fühlen sich unnütz und nicht als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft. Bei einigen führt dies zu ernsthaften psychischen Beschwerden. Auch gesundheitlich ist diese Personengruppe oft stärker angeschlagen. Zu möglichen bestehenden Gebrechen kommen andere hinzu und leiden sie häufiger an bestimmten Schmerzen oder weisen oft eine höhere Krankheitsanfälligkeit auf.
Die schlechten Zukunftsaussichten sorgen bei vielen für ein geringes Selbstwertgefühl und oftmals folgt ein schrittweiser sozialer Abstieg. Vor allem die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten ziehen viele weitere Folgen nach sich:
- Umzug in eine kleinere Wohnung oder Verlust von Wohneigentum. Auch der Wechsel in ein sozial schwacheres Wohnumfeld hat oft nicht unerhebliche negative Einflüsse.
- Fehlen eines geregelten Tagesablaufs. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, umso schwieriger fällt es den meisten, sich wieder an bestimmte Abläufe und notwendige Pflichten zu gewöhnen.
- Verpassen des Anschlusses an Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Die unglaubliche Dynamik der heutigen Strukturen unseres Arbeitslebens hat zur Folge, dass ein Wiedereinstieg nach einer Pause immer schwerer wird. Qualifikation, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind dabei entscheidende Kriterien, die bei Langzeitarbeitslosen oft fehlen.
Genau an diesen Punkten will die Landesregierung mit ihrem Programm für gezielte Unterstützung sorgen. Durch die Begleitung mit Sozialarbeitern und die schrittweise Erprobung und Verbesserung der eigenen Fähigkeiten bei der Arbeit in einem zunächst geschützten Umfeld soll auf die spezifischen Herausforderungen gezielter eingegangen werden.
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Innenstadt von Magdeburg aus der Luft
Auch sanierte Häuserfronten können über die sozialen Probleme in manchen Vierteln nicht hinwegtäuschen.
Und die Jüngeren?
Einige werden von dem Arbeitsmarktprogramm allerdings nicht profitieren können: Auch jüngere Menschen zählen zum Kreis der Langzeitarbeitslosen und finden oft schon von Anfang an keine Stelle. Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich hoch und liegt laut Bundesagentur für Arbeit derzeit bei 7,7 Prozent (Personen von 15 bis unter 25 Jahre).
Die Perspektivlosigkeit, sei es durch schlechte Chancen auf dem lokalen Arbeitsmarkt oder durch das soziale Umfeld, in dem Arbeitslosigkeit zum Alltag zählt, ist eine der Hauptursachen für diese Situation. Auch hier soll ein spezielles Projekt den Betroffenen unter die Arme greifen. Unter dem Namen „Joblinge“ – einer gemeinnützigen überregionalen Initiative – wird den Jüngsten auf dem Arbeitsmarkt ein niederschwelliges Angebot zur Verfügung gestellt.
Es soll dabei helfen, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und Mut zu fassen, um eine berufliche Qualifikation in Angriff zu nehmen. Das Projekt richtet sich dabei gezielt an benachteiligte Jugendliche. Nicht nur solche mit Migrationshintergrund, auch jene, die bislang nur einen niedrigen Bildungsabschluss vorweisen können oder bereits die Schule oder eine Ausbildung abgebrochen haben können mitmachen.
Auch in Sachsen-Anhalt gibt es einen Anlaufpunkt zur Initiative. In Halle befindet sich eine eigene Geschäftsstelle und es beteiligen sich zahlreiche lokale und überregionale Partner aus der Wirtschaft an dem Projekt. Sie bieten den Jugendlichen etwa Praktikums- oder Ausbildungsplätze. Zusätzlich stehen von der Initiative spezielle Mentoren zur Verfügung.
In verschiedenen Schritten soll der Berufseinstieg so erleichtert werden. Von einer ersten Projektarbeit im Rahmen gemeinnütziger Tätigkeiten über eine Phase der Berufsorientierung bis hin zur Suche nach einem geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz wird alles abgedeckt.
Situation in der Region
Insgesamt befindet sich der Arbeitsmarkt rund um Magdeburg im Aufschwung. Dies zeigt nicht nur die steigende Resonanz bei verschiedenen Veranstaltungen wie etwa der Jobmesse. Gerade unsere Stadt entwickelt sich seit einiger Zeit sehr dynamisch. Dennoch konnten bislang gerade Langzeitarbeitslose am wenigsten davon profitieren. Bei ihnen fiel der Rückgang der Quote am geringsten aus.
Insgesamt 39 Prozent der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt sind seit mehr als zwölf Monaten ohne Job. Dies ist keinesfalls ein regionales Problem. Doch in einer Gegend, die stark von einem Strukturwandel betroffen ist, ist es gerade für diese Personengruppe besonders schwer, den Anschluss oder Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt nicht zu verpassen. Vor allem durch die zunehmende Digitalisierung entstehen in der Region neue Arbeitsplätze. Meist sind dies jedoch Jobs, die eine höhere Qualifikation erfordern.
Hier wird sich eine Besserung wohl erst langfristig zeigen. Denn auf Dauer wird durch eine gute Kaufkraft auch der allgemeine Bedarf etwa im Dienstleistungssektor steigen. Am Ende läuft es meist jedoch auf ein Schlüsselkriterium hinaus: Ohne eine gute Ausbildung stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt auch in Zukunft schlecht.
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Industrieruinen in Magdeburg
Durch den Strukturwandel entstehen neue Arbeitsplätze in Magdeburg derzeit vor allem für höherqualifizierte Arbeitskräfte.
Ausbildung und Qualifikation als Schlüssel zum Arbeitsmarkt
Damit der Einstieg auch für Langzeitarbeitslose gelingt, ist eine zielgerichtete Qualifikation notwendig. Sie sollte sich neben den persönlichen Talenten und Neigungen vor allem am tatsächlichen Arbeitsmarkt und den heutigen Anforderungen orientieren.
Für einige bedeutet es bereits einen großen Schritt nach vorne, überhaupt einen Ausbildungsabschluss vorweisen zu können. Darauf aufbauend können weitere Maßnahmen helfen, eine dauerhafte Stelle zu finden und aus der Abwärtsspirale und Perspektivlosigkeit herauszutreten. Auch mit einem weniger optimalen Lebenslauf müssen sie allerdings zunächst einmal die Möglichkeit bekommen, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Darüber hinaus sind Stellen für gering Qualifizierte immer noch rar. In Zeiten zunehmender Komplexität auch im Arbeitsleben sorgt dies für große Herausforderungen auf beiden Seiten.
