Klar, zum neuen Jahr gibt‘s Pläne. Selbstverständlich große Vorhaben. Solche, von denen immer mal wieder die Rede ist. Mir geht‘s dabei um nichts weniger als Liebe. Meine Lieblingsliebste meinte in diesem Jahr einen Frühstückstisch. Klingt profan und undramatisch. Aber es sollte keiner sein, der von der Stange ist und einfach so gekauft wird. Es sollte einer sein, der nach ihren Vorstellungen gebaut wird. Und sie meinte allen Ernstes, Heiner zu fragen. Heiner, der aufgeblasene Sack! Heiner kann alles, weiß alles und gehört zu jenen gut aussehenden Frauenverstehern, die keine Gelegenheit auslassen, Wünsche zu erfüllen. Bevorzugt solche Wünsche, die Männer ihren Frauen aus guten Gründen eben nicht erfüllen. Das fehlte noch, dass diese Flitzepiepe den Frühstückstisch für meine Lieblingsliebste baut!
Die sieht mich allerdings als Linkspföter. Und bisher habe ich nichts getan, daran etwas zu ändern. Heimwerken ist eine aufwendige und mitunter gefährliche Sache. Immer wieder ist von Männern zu hören, die ihren Frauen etwas bauen sollen und sich an Wochenenden Daumen absägen, in Hände tackern oder mit Schweißgeräten die Haare abbrennen. Ich mag ein Linkspföter sein, aber zumindest einer mit Daumen. Aber bevor dieser geschmeidige Heiner sich mit einem einzigartigen Tisch im Herzen meiner Lieblingsliebsten verewigt, werde ich zum Heimwerker.
Zunächst waren es kleine Dinge: Löcher bohren und Bilder aufhängen. Das klappte gut und beflügelte mich zum täglichen Baumarktshopping. Mittlerweile bin ich mit diversen Maschinen ausgerüstet. Ich besitze sogar eine Fräse. Der Verkäufer – wir duzen uns – meinte, dass Profiheimwerker eine Fräse besitzen müssen, auch einen Bohrhammer und Zementmischer. Damit sich die Anschaffung auch lohnt, ließ ich Zement kommen. Auch das klappte. Die Lieferung erfolgte per Tieflader. Es hat schon was, auch den Nachbarn anzeigen zu können, da baut einer so richtig und eben nicht pillepalle mal am Wochenende. Meine Lieblingsliebste zeigte sich zwar erstaunt, beließ es aber bei dem Hinweis, einen einzigen Holztisch haben zu wollen, keine fünfzig aus Beton. Das stimmt natürlich. Aber der Minibagger war bereits bestellt und wurde einen Tag später ebenfalls per Tieflader geliefert.
Sie meinte, nun doch Heiner fragen zu wollen, ihr den Tisch zu bauen. Wie doch Frauen mit scheinbar harmlosen Bemerkungen allen Dingen den tieferen Sinn entziehen können. Es geht doch um Liebe. Fred erzählte bei unserer wöchentlichen Freundbierrunde, er wisse jemanden, der so einen Tisch bauen kann. Kostet ein bisschen was, wäre aber handwerklich perfekt und einzigartig. Fred meinte natürlich sich selbst. Und selbstverständlich würde er meiner Lieblingsliebsten nicht verraten, wer den Tisch tatsächlich gebaut hat. Ich bestellte eine weitere Runde Bier-Kümmerling und schlug ein.
Und was soll ich sagen: Meine Lieblingsliebste schmilzt jeden Morgen dahin, wenn sie an ihrem Frühstückstisch sitzt und ich ihr den Kaffee reiche. Und jedes Mal zupft sie an ihrem Morgemäntelchen und haucht mir zart ins Ohr: „Guten Morgen, mein Mister Golden Hands.“ Geht doch. (olegold)
