© Norbert Perner
David und Chris Perner
Die Brüder David und Chris Perner haben sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Mit ihrer Initiative „Lieder aus Sachsen-Anhaltung“ wollen sie über 30 Songs für Demokratie und Vielfalt zusammentragen. Jede Woche bis zur Landtagswahl im September soll ein Neuer auf den Social Media Accounts des Projekts erscheinen. Dafür rufen sie Musiker, denen Sachsen-Anhalt am Herzen liegt, dazu auf, sich auf ihre Art und Weise zu beteiligen. Sie sind selbst Musiker. David ist mit seiner „Mittwoch-A-Band“ in Magdeburg unterwegs, Chris mit „Kerben“ oder solo in Zürich, wo er arbeitsbedingt wohnt.
„Uns fällt in Gesprächen mit der Magdeburger Musikszene häufig eine Frustration auf: Das Gefühl, mit Äußerungen gegen Rechts ein Risiko einzugehen,“ so die Brüder. Außerdem ärgert sie die weitverbreitete Assoziation des Ostens mit Nazis, denn „wir wissen, dass unser Sachsen-Anhalt bunt ist.“ Für David wäre ein Wahlsieg der AFD eine Gefahr für die Kulturlandschaft. „Wenn man Äußerungen glauben schenken mag, steht die Weiterfinanzierung von Projekten, die sich mit kultureller Vielfalt befassen, auf dem Spiel.“ Ergänzend stimmt Chris zu. „Im Kulturbereich, aber auch darüber hinaus, leben wir von Vielfalt. Eine Wende auf Basis von Ideologie hat Einfluss auf die Kunstfreiheit, ob direkt oder Indirekt.“
Es ist noch keine zwei Jahre her, als die AFD im Landtag Sachsen-Anhalts für einen Eklat sorgte. In einem Antrag forderte die Partei, im Rahmen des Dessauer Bauhaus-Jubiläums solle eine „einseitige Glorifizierung des Bauhaus-Erbes“ verhindert werden. Zwar wurde der Antrag abgelehnt, er ist jedoch ein Beleg für die kulturellen Schwerpunkte, welche die Landtagsfraktion zu setzen versucht. Schon 2016 drohte ihr kulturpolitischer Sprecher Hans-Thomas Tillschneider, dass Intendanten, die ein „zu buntes Agitprop-Repertoire mit Regenbogen-Willkommens-Trallala auf die Bühne bringen“, Mittel gestrichen werden sollten.
Lieder und Liedermacher, die darauf keine Lust haben, wollen David und Chris erreichen. Weniger, um die politische Einstellung von AFD-Wählern zu ändern, sondern um Mut zu machen, zu widersprechen. „Das Projekt soll zeigen, dass wir viele sind,“ sagt David. Bis März sind die Beiden gut versorgt, mit Zusagen von Simon Becker, „handgemacht“, „Die Unentdeckten One Hit Wonder“, Manuel Pratsch, „die Kreuzer“ oder auch „Anne Flach“. Dennoch hoffen sie natürlich, das Projekt wächst noch weiter an Songs und Zuhörern.
