© Jana Dünnhaupt/Otto-von-Guericke Universität
Prof. Dr. Dieter Schinzer in seinem Labor in der Otto-von-Guericke-Universität
Antibiotika-resistente Keime sind nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO eine der größten gesundheitlichen Bedrohungen unserer Zeit. Sie verlangsamen das erfolgreiche Bekämpfen von Infekten oder verhindern es vollständig. Noch schlimmer: Sie treten häufig in Krankenhäusern und Kliniken auf, weil dort viele kranke Menschen mit geschwächtem Schutz leben. Manch ein Patient bringt diese Erreger bereits von außen mit. Für gesunde Menschen sind sie meist harmlos, aber bei offenen Wunden oder schwacher Abwehr können sie schwere Infektionen hervorrufen.
Ein Stoff, der die Verbreitung dieser Bakterien verhindern kann, ist Neosorangicin A. Durch seine Instabilität wird dieser jedoch schnell vom Körper abgebaut. Umso bedeutsamer für die zukünftige Medizin könnte der Erfolg von Chemikern der Otto-von-Guericke-Universität sein.
Das Team um Prof. Dr. Dieter Schinzer konnte den sonst natürlich vorkommenden Stoff im Labor reproduzieren, was aufgrund seiner komplexen Struktur als sehr schwierig galt. „Das schafft die Voraussetzung, um den Naturstoff gezielt zu verändern, stabiler zu machen und damit für die weitere Wirkstoffentwicklung überhaupt erst nutzbar zu machen“, erklärt Schinzer. So könnten Reserve-Antibiotika entstehen, die unterstützen, wo die herkömmlichen Medikamente versagen.
Für Schinzer, der auf medizinische Chemie spezialisiert ist und seit fast 30 Jahren an der Otto-von-Guericke-Universität unterrichtet, ist dies der zweite bedeutsame Durchbruch innerhalb kurzer Zeit.
Bereits im Mai veröffentlichte ein Team um den 73-Jährigen und Professor Adrian Press vom Universitätsklinikum Jena einen vielversprechenden Ansatz für die Bekämpfung invasiver Lungeninfektionen. Auch dieser bot eine alternative Behandlungsmethode gegen Wirkstoff-resistente Erreger.
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