© Claerchen-Baus
Es war das e-Moll-Concerto für Blockflöte und Querflöte, das Interesse an Telemanns Musik in Michael Alexander Willens erweckte. Als Student an der Juilliard School in New York durfte er das Konzert mit einem Barockensemble aufführen. Die Musik war in seinen Ohren „was ganz anderes und total cool“.
Bevor er sich wieder mit Telemann beschäftigte, sollten noch einige Jahre vergehen. Dirigieren lernte Willens bei Größen wie John Nelson, Paul Vorwerk und Leonard Bernstein. In den 90er Jahren gründete er dann das Orchester „Kölner Akademie“, welches der 73-Jährige bis heute künstlerisch leitet. Auf der Suche nach Alternativen zu Bachs Matthäus-Passion und Händels Messias für die Osterzeit begegnete er Telemann erneut. Dabei entdeckte Willens nicht nur fantastische Passionen, sondern musikalische Schätze, die bis dahin selten aufgeführt, geschweige denn
aufgenommen worden waren.
Dank seiner Konzerte und CD-Einspielungen sind jetzt auch solche Stücke hörbar. Seine Herangehensweise ist neugierig, engagiert und historisch fundiert. „Ich fühle mich Telemanns Musiksprache echt verbunden und verstehe seine Werke intuitiv“, so Willens. „Er war in allen Musikgenres seiner Zeit versiert. Auch ich fühle mich in vielen Musikstilen heimisch.“
Willens Aufnahmen gelten als Maßstab für Aufführungen fast vergessener barocker Werke und prägen die weltweite Wahrnehmung von Telemanns Kreationen. Mit der Verleihung des Georg-Philipp-Telemann-Preises durch die Stadt
Magdeburg habe er dennoch nicht gerechnet.
