© Lara Weiser
Mehret Coytom Negash (l.) mit ihrer Chefin Almasija Hesse
Täglich werden hier Haare geschnitten, gefärbt und gestyled. Mittendrin Mehret Coytom Negash, die stets ein freundliches Wort für ihre Kunden hat. Wenn man sie erlebt, glaubt man kaum, dass sie vor acht Jahren kein Wort Deutsch konnte.
Mehret stammt aus Äthiopien, 2015 trat sie im Schlauchboot die Flucht übers Mittelmeer an. Zwei Jahre später stand die damals 22-jährige mit einer Berufsschullehrerin vor Almasija Hesses Salon und fragte nach einem Ausbildungsplatz. Hesse nahm sie auf – auch wegen ihrer eigenen Geschichte. Sie ist Tatarin, kam vor 35 Jahren aus Russland und weiß, wie schwierig es sein kann, in einem neuen Land Fuß zu fassen. Mit Ehrgeiz und Disziplin erarbeitete sie sich die deutsche Sprache, den Berufsabschluss und den eigenen Salon. Ihre Kunden kennen ihre Geschichte und leisteten bei Negashs Integration bereitwillig private Unterstützung, brachten ihr Lesen, Schreiben, Rechnen, Schwimmen und Radfahren bei. Hesse resümiert: „Integration funktioniert gemeinsam, nicht gegeneinander“. Es erfordere Zusammenarbeit und Willen von beiden Seiten. „Die Ausländer sind jetzt da. Man muss ihre Fähigkeiten herauskitzeln, ihre Kultur respektieren. Aber auch zeigen, dass es hier anders funktioniert als in der alten Heimat.“
Mittlerweile hängt Negashs Gesellenbrief an der Wand. Anfang Januar wird sie nun den Friseursalon übernehmen. Bis August möchte Hesse sie noch begleiten, danach ist Negash alleine für den Laden verantwortlich.
