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Man fühlte sich so unbeschwert an diesem Sommertag im Nordabschnitt des Breiten Wegs. Nicht nur weil die Band „Unbeschwert“ hieß und zur Fête de la musique Songs aus den letzten 40 Jahren spielte. Die Menschen saßen draußen, lauschten der Musik und genossen das Wetter. Dieser Tag fühlte sich auch deshalb unbeschwert und normal an, weil er ohne sichtbare Sicherheitsvorkehrungen auskam. Noch eindrucksvoller konnte man das bei der SCM-Siegesparty nach dem Champions League Gewinn erleben, als der Alte Markt voller Menschen war. In der Euphorie des unglaublichen Sieges schien keiner Betonpoller zu vermissen.
Anders sah es am Pfingstwochenende aus. Das Stadtfest auf dem Alten Markt wurde massiv abgesichert. Hier feierten über 75.000 Menschen umgeben von dicht an dicht stehenden Betonklötzen. Auch das lebendige Sommer-Open-Air Theater am Adolf-Mittag-See ist von Betonblöcken in den Farben der Stadt umgeben. Schwer, massiv – und sehr auffällig. 24 Blöcke als ein sichtbares Zeichen, dass die Sorge um die Sicherheit bei Veranstaltungen sehr präsent ist. Mit ihnen verbunden ist aber auch eine permanente Erinnerung an die Bilder vom Weihnachtsmarkt im Dezember. Die Rückkehr zur Normalität wirkt seither wie ein Balanceakt zwischen extremen Sicherheitsauflagen und dem Wunsch nach Freiheit und Unbeschwertheit. Ja, wir brauchen diese Normalität zurück und die Absage von Heimatfesten, wie das in anderen Städten unseres Bundeslandes passiert, ist einfach eine Kapitulation.
Dieser Weg zurück zur Normalität wird nicht über Betonpoller entschieden, er ist vor allem eine Sache des Kopfes, eine Frage der gemeinsamen Aufarbeitung des Geschehenen. Die Hochschule Magdeburg-Stendal zeigt mit der Ringvorlesung „Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt und seine Folgen“ wie es gelingen kann. In Vorträgen mit Raum für Diskussion wird das Thema systematisch aufgegriffen. Fachleute kommen aus Psychologie, Medien, Sicherheitsforschung und internationalen Vereinen jeden Dienstag an den Campus. Dann wird das Geschehene analysiert, diskutiert und erklärt. Denn ohne Auseinandersetzung bleibt die Angst zurück und der Wunsch nach freien, spontanen Begegnungen im öffentlichen Raum unerfüllt.

