©privat
im Rayonhaus
Das Fachwerk und die dünnen Wände hat das Haus dem Reichsrayongesetz zu verdanken. Das stammt von 1871, als Magdeburg noch von Festungsmauern umgeben war. Im Angriffsfalle mussten sie durch die Verteidiger leicht niederzureißen sein. Harte Sitten waren das. Von diesen Rayonhäusern haben in Magdeburg nur wenige die Zeiten überdauert.
Jenes in der Steinigstraße stand nach der Wende jahrelang leer, ehe der Gastronom Christoph Reckert es 2001 für sich entdeckte: Binnen drei Jahren wurde das denkmalgeschützte Haus saniert: Anbauten, Zwischenwände und abgehängte Decken entfernt und das Haus in den Originalzustand versetzt. Zu dritt eröffneten sie im November 2004 dann eine Gastwirtschaft der besonderen Art: eine Art Wirtshaus mit bodenständiger, übersichtlicher Karte. Zur besonderen Art dieser Kiezkneipe gehörten Extravaganzen wie Frankfurter Äppelwoi, belgische Trappistenbiere und mehr.
Längst ist das „Rayon Haus“ zu einer Art Unikat geworden. Nach zwischenzeitlichem Leerstand übernahm 2019 Steve Harder das Lokal, machte es wieder zur liebenswerten Oase im Großstadtdschungel. Nach sieben Jahren ist es aber für ihn genug und er suchte Nachfolger.
Als bestes aller Modelle hat sich eine genossenschaftliche Lösung herauskristallisiert, getragen von einer größeren Gruppe, die den Ort erhalten möchte. Ein ähnliches Modell gibt es in Stadtfeld mit dem „Nachdenker“ bereits. Schon länger bereitet man die Übernahme vor, im Mai möchte man so weit sein. Neben der Kneipe gibt es auch Überlegungen, im Haus einen Co-Working-Space einzurichten. Übrigens: Das Wort Genosse kommt etymologisch von „genießen“, der Genosse ist also jemand, mit dem man gemeinsam aus einer Sache Nutzen zieht. Und wer Interesse hat, hier mitzumachen: wöchentlich finden hier Info-Treffs statt. In diesem Sinne: Wohlan.
Info-Treffs zur Genossenschaft, immer freitags, 19-20 Uhr
© GKJ-Central-GbR
