© K. Singer
Elaine Schmidt
Lust auf historische Stoffe: Elaine Schmidt
Für das Verfassen eigener Stücke führt Theaterpädagogin Elaine Schmidt ganz handfeste Gründe ins Feld. Um mehr Jungs in den Theaterjugendclub zu locken, schickte sie bei „Die Old“ filmbekannte Superhelden ins Altersheim. Auch finanzielle Nöte machen erfinderisch: weil der Jugendclub über kein Budget für Verlagsrechte verfügt, heißt selber schreiben die Devise. Vor zwei Jahren stellte sie zusammen mit dem Komponisten und Opernchorleiter Martin Wagner das Musical „Das Rote Horn“, basierend auf einem historischen Stoff auf die Bühne. Nun also wieder Historie. Auf der Suche nach einem passenden Spielort für die Eroberung einer Burg lagen die Gewölbe der Festung Mark auf der Hand. „Die Kulisse ist quasi vorhanden, und mein Wunsch, mit dem Theaterjugendclub raus in die Stadt zu gehen, erfüllt sich damit gleich mit.“ „Weske und die Ahnfrau von Randau“ heißt das Historienspiel, das auf der regionalen Sage des Schultheiß Weske beruht. Die tragische Liebesgeschichte des Kürschnermeisters aus dem 13. Jahrhundert mit einer in der Raubritterburg derer von Randau gefangen gehaltenen Gräfin stehen im Mittelpunkt des Stückes. Für Elaine Schmidt wird da ein universeller Konflikt behandelt. Besonders die Sprache interessiert die studierte Germanistin an der Arbeit mit den sieben jungen Spielern im Altern von 14 bis 36 Jahren. „Die Auseinandersetzung mit dieser Kunstsprache, die den Jugendliche sonst ja kaum begegnet, soll ihnen aufzeigen, was allein durch sprachlichen Ausdruck erzählt werden kann.“
An einem historischen Dokument, einem Liebesbrief an Hitler, zündete bei der zweiten Produktion die Idee Schmidts, sich mit der jüngeren Stadtgeschichte auseinanderzusetzen. „Befehl 201“ ist ein collageartiger Abend über die Entnazifizierung Magdeburgs nach dem Krieg. Die beteiligten Jugendlichen sind intensiv eingebunden in die Recherchen im Stadtarchiv oder dem Kulturhistorischem Museum, aber auch in der eigenen Familie. „Ein persönlicher Abschiedsbrief ist eben einprägsamer als eine Notiz im Geschichtsbuch, ein Kochrezept mit kargen Zutaten erzählt anschaulicher vom Mangel an Lebensmitteln als der pure Fakt.“
Weske und die Ahnfrau von Randau, Premiere 24. April, Festung Mark; Befehl 201, Premiere 29. Mai, Opernhaus

