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Stolpersteine Magdeburg: Zirkus-Familie Blumenfeld, Walter-Rathenau-Straße
Jede eingravierte Inschrift beginnt mit einem „Hier wohnte“. Es folgen schicksalhafte Lebensdaten, endend mit dem Tag der Ermordung. Die kleinen Messingplatten sind angelegt, den Blick von Passanten einzufangen, sie verharren zu lassen und ihre Gedanken „stolpern“ zu lassen, denn hinter jedem der kleinen Quadrate verbirgt sich ein furchtbares Menschenschicksal.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Das Zitat aus dem Talmud wird vom Künstler und Initiator der Gedenkaktion, Gunter Demnig, verwendet. Das „Stolpersteine“-Projekt entsprang seiner in den 90er-Jahren gedruckten Erinnerungsspur auf dem Kölner Straßenpflaster. Es war die Spur der Sinti und Roma, die dort 1940 zum Messelager eskortiert wurden, um schließlich im Rahmen der von Heinrich Himmler initiierten „Aktion Zigeuner“ ins besetzte Polen deportiert zu werden.
Die ersten Stolpersteine in Magdeburg verlegte Demnig im März 2007 selbst an der Südostecke des Rathauses. Zwei Jahre zuvor hatte der Stadtrat auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen dafür den Weg freigemacht. Die städtische Arbeitsgruppe „Stolpersteine für Magdeburg“ ist seit 2006 für die Verlegung verantwortlich, in ihr arbeitet der Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ e.V. mit. Die Steine halten die Namen der Opfer der NS-Zeit fest und wo sie liegen, war jeweils ihr letzter freiwilliger Wohnort. So erinnern die Steine an die Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger, Sinti und Roma, politisch Verfolgter, Homosexueller, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer.
In den vergangenen 19 Jahren wurde die Liste mit den Namen der bekannten Opfer des NS-Regimes kontinuierlich abgearbeitet. Mehr als 850 solcher „Stolpersteine“, eingelassen zwischen Pflastersteinen, kann man inzwischen in der Magdeburger Altstadt, aber auch den Stadtteilen drumherum zählen. Solange keine weiteren Namen bekannt werden sollten, wird das Erinnerungsprojekt mit der Verlegung 60 weiterer Steine vorläufig in diesem Jahr abgeschlossen sein. Die Stolpersteine werden über Patenschaften und Spenden finanziert.
