© Stiebler
Das Studiokino am Moritzplatz
Cate Blanchett in der Maskerade von Elisabeth I. schaut einen am Ende des Flures an. Hinter der eleganten Tür verbirgt sich die mit rosa Blüten tapezierte Frauentoilette. Gleich daneben führt eine stählerne Treppenkonstruktion hinauf zur „Studiobühne“, die Trittstufen aus Eiche fehlen noch.
Bis auf die Zeiten Napoleons geht das Haus zurück. 1806 plante der Franzose die neue Neustadt – die Hieronymusstadt – als Ersatz für die niedergerissene alte Neustadt. Es war eine moderne Planstadt mit geometrischem Grundriss. Die Freifläche des heutigen Moritzplatzes war damals der „Kleine Markt“. Das Eckgebäude zur Abendstraße entstand 1827, ein Gesellschaftshaus mit Festsaal, das sich als „Marktschlößchen“ später mit Tanzveranstaltungen und Ringkämpfen einen Namen machte. Im Saal läuft heute Programmkino, den Magdeburgern ist es als „Studiokino am Moritzplatz“ eine feste Größe. Neben dem „OLi“-Lichtspielen ist es das letzte im Betrieb befindliche tradierte Magdeburger Kino. Schon in den 1920er Jahren liefen hier Filme, 1976 wurde es zum Studiokino. 1997 kaufte Frank Salender das Haus aus dem UfA-Erbe.
Schon in den Neunzigern gab es unter dem Begriff „Kunstmitte Moritzplatz“ erste Ideen für einen Ausbau. Aber das Projekt kam nie richtig in Fahrt. Durch notarielle Schenkung des zweiten Gebäudeteils an der Abendstraße war das alte „Marktschlößchen“ ab 2012 wieder vollständig. Ein Jahr später gab es erstmals detaillierte Planungen für eine denkmalgerechte Sanierung. „Unser Ziel ist es, hier ein Filmkunsthaus als zukünftige Plattform für das Medium Film zu entwickeln, das dann unter dem Dachnamen ,Studio‘ auftreten wird“, beschreibt Frank Salender, der das Kino mit dem Filmkunst e.V. betreibt, seine Pläne. Gemeinsam mit Architektin Sina Stiebler, die sich auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisiert hat, verfolgt der Verein seither das 3,5-Mio-Euro-Projekt, das mit Hilfe von städtebaulichen und Denkmalschutzmitteln gestemmt wird.
Ursprünglich hatte Salender mal mit drei Jahren Bauzeit gerechnet. Nun sind zwölf Jahre rum, „wenn man es denkmalgerecht und gründlich macht, braucht man aber diese Zeit“, sagt er. Dafür wurde auch im laufenden Betrieb saniert. Nach dem Anbau im Innenhof ist jetzt der zweite Bauabschnitt an der Abendstraße fertig. Die detailreiche Fassade dieses rückwärtigen Gebäudeteils leuchtet jetzt in denkmalgerechter Pracht. Drinnen sind der „Studioklub“ und die künftige Zentralkasse entstanden, darüber die „Studiobühne“. Hier ist auch Platz für die künftig geplante medienpädagogische und filmarchivarische Arbeit. Sehenswert ist der barrierefreie Fußboden aus Gußasphalt im Terrazzo-Stil. „Uns war einfach wichtig, dass das Haus keine Schwellen hat.“ Und drei Toiletten gibt es: Männer, Frauen, divers.
Im September ist der dritte Bauabschnitt dran, um dem am Platz liegenden Eckbau neues Leben einzuhauchen. Dafür wird die Fassade eingerüstet, das Dach gemacht. Im alten Ballsaal soll die umlaufende Arkadengalerie durch Entfernung der abgehängten Decke wieder zum Vorschein kommen. Diese Arbeiten will man aber im laufenden Kinobetrieb lösen. Und der künftige Haupteingang wird wieder zum Platz hin ausgerichtet – wie vor 200 Jahren beim „Marktschlößchen“.
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