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Das Team der Kammerspiele Magdeburg
Es gab ein paar feste Hammerschläge, dann waren die Nägel, der alten Zimmermannstradition folgend, im Balken des künftigen „Theaters an der Elbe“. Gleich vier Leute waren dafür angetreten: Investor Fred Walch, Kulturstaatsminister Rainer Robra, Max Stadler vom Bauunternehmen und schließlich Jannis Bard, Sohn der beiden im letzten Jahr verstorbenen Gründer der Kammerspiele.
Kulturpolitisch betrachtet ist das Projet ein Meilenstein. „Es wird die erste Spielstätte in Magdeburg für freies Theater“, bringt es Kevin Schulz vom Ensemble der Freien Kammerspiele auf den Punkt. Während vergleichbar große Städte, wie etwa Halle, längst ein Haus für die freie Theaterszene haben, müssen freie Ensembles in Magdeburg bislang herumziehen.
Dass dieses Projekt derartig Gestalt annehmen konnte, hat eine emotionale Vorgeschichte. Investor Fred Walch besuchte jahrelang die Inszenierungen der Kammerspiele, bis er einmal mit den Gründern, Susanne und Michael Bard, ins Gespräch kam. Aus der Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft, als deren schönste Blüte entwarf Walch Überlegungen zu einem Theaterhaus für die Kammerspiele. Die Grundsteinlegung im letzten November konnten Susanne und Michael Bard schon nicht mehr erleben. Aber längst vorher war klar, dass dieses Haus von der nächste Generation der Kammerspiele mit Leben erfüllt werden wird. Michael Magel als Sprecher des siebenköpfigen Theaterteams brachte es bei seiner Rede auf zwei Worte: „Wunder und Dank“ – ein Wunder, dass es dieses Projekt so gibt und Dank, dass es möglich wurde. Frei von Herausforderung ist das Projekt für die Kammerspiele keineswegs. Während Investor Walch den Baukörper finanziert hat, sind die Kammerspiele für die Ausstattung der neuen Spielstätte selbst zuständig, also Licht, Bühnentechnik und mehr.
In gut einem Jahr wollen die Kammerspiele das Haus beziehen. Der Zuschauerraum wird 100 Plätze fassen, dazu gut 20 Logenplätze oben. Damit das Theaterhaus flexibel genutzt werden kann, bekommt es ziehharmonika-ähnlich ausziehbare Zuschauertraversen. Und dann muss es losgehen, ein Spielplan entworfen werden, „denn es ist erst ein Theater, wenn es mit Leben gefüllt wird, wenn Leute auf den Sitzen Platz nehmen“, wie es Rainer Robra beim Richtfest auf den Punkt brachte.


