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Raul Paredes mit Trainer Siegmund Mewes
Es waren die letzten Tage der DDR und ihrer Fußball-Oberliga. Seit Herbst ‘89 befand sich alles im Umbruch, auch beim 1. FC Magdeburg. Gerade war Joachim Streich nach Braunschweig gewechselt, Siegmund Mewes hatte das Traineramt übernommen. Um in der nächsten Saison die Qualifikation für die 1. oder 2. Bundesliga zu schaffen, hieß sein Plan: Das bis dahin aus Spielern der Region bestehende Team zu öffnen, die Welt hereinlassen.
So kam in jenem Sommer Raúl Paredes, ein 24-jähriger mexikanischer Stürmer ins Team. Er war bereits 1988 über den Atlantik zu Schalke 04 gewechselt, „einfach weil ich 10 Jahre früher Deutsch in Deutschland studiert hatte und die europäischen Ligen attraktiver waren“, erinnert er sich. Sein Wechsel zum 1. FCM kam über einen Freund zustande, unterstützt durch Extrageld des neuen Trikotsponsors Jägermeister. Magdeburg wurde für Paredes zur prägenden Erfahrung. Die Stadt befand sich im Umbruch. Er erinnert sich an Geschäfte ohne die bekannten Markenprodukte und an eine Gesellschaft, die sich nur langsam an die neue Realität gewöhnte. „Es gab auch keine Coca-Cola“, erzählt er. Besonders beeindruckte ihn die Präsenz bewaffneter Soldaten an der noch bestehenden Grenzenlinie.
Sportlich war der Kulturschock nicht minder groß. „In Mexiko kannten wir noch keine Elektrolytgetränke. Und das Training beim 1. FCM war extrem auf Ausdauer ausgelegt. Vom Muskelkater den ich am nächsten Tag hatte, taten mir sogar die Fingernägel weh. Das Training war auch viel intensiver als ich es bei Schalke 04 erlebt hatte“, erzählt er. Trotz aller Härte: Die Beziehung zu Trainer Mewes war herzlich, die innerhalb des Teams auch. Er teilte sich das Hotelzimmer mit Lutz Schwerinski, stürmte an der Seite von Uwe Rösler. „Mit Torwart Dirk Heyne und Mittelfeldspieler Stefan Minkwitz verband mich eine echte Kameradschaft“, blickt er zurück. Was Raúl am meisten prägte, aber waren die frenetischen Fans auf den Tribünen des Ernst-Grube-Stadions und überhaupt: „Der Respekt war komplett. Ich erlebte nie Anfeindungen. Die Gesänge, die Kutten, diese Hingabe für ihren Verein – das hatte eine andere Energie als in Mexiko.“
Heute lebt Raúl in Cuernavaca (Mexiko), betreibt eine Fußballschule, arbeitet als FIFA-Spielerberater und ist in der Optikbranche tätig. Vergessen hat er seine Zeit in Magdeburg nie: In Erinnerung sind vor allem das regionale Bier, das er als Nichttrinker zu schätzen lernte – und dieses Gefühl, eine Gesellschaft im Aufbruch zu erleben.
- Spiele der Fußball-WM werden im AMO-Biergarten, Mückenwirt, Luises Garten und an anderen Orten übertragen. Eröffnungsspiel Mexiko vs. Südafrika findet am 11. Juni um 21 Uhr statt.

