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Der Stadtläufer
Der städtische Ausschuss für Umwelt und Energie hat sich jüngst intensiv mit der Frage befasst, wie die Zahl der unbelehrbaren Hundebesitzer, die den Kot ihrer Köter nicht in einem mitgebrachten Plastebeutel entsorgen, spürbar reduziert werden kann. Wie immer fiel dabei das höchst unangemessene Wort „Tretminen“, das eigentlich auf jeden politischen und journalistischen Index gehört. Aber so gut geht es uns eben noch immer in Deutschland: während Menschen in anderen Teilen der Welt auf echte Minen treten, sind unser Problem die Exkremente des Canis lupus familiaris. Denn diese schaden, so Stadtrat Timo Schulze, gerade wenn sie auf Baumscheiben liegen bleiben, nicht nur dem Stadtbild, sondern schwächen auch unsere ohnehin schon belasteten Stadtbäume und öffnen zudem Zoonosen Tür und Tor.
Teile des Stadtrates drängen daher darauf, den Druck auf jene, die solche Kotsünden begehen, spürbar zu erhöhen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen von einer drastischen Erhöhung der Bußgelder über eine Verschärfung der Kontrollen (bei denen künftig auch geprüft werden soll, ob der jeweilige Hundebesitzer überhaupt einen Kotbeutel mit sich führt, um ihn gewissermaßen schon vor der Tat zu überführen) bis hin zu einer DNA-Datenbank für Hunde, um deren Herrchen oder Frauchen auch nachträglich noch überführen zu können.
Der Vorschlag, sich beim Land für einen höheren Bußgeldrahmen einzusetzen, fand im Ausschuss allerdings keine Mehrheit, so dass am Ende nur in einem Punkt Einigkeit herrschte, nämlich in der Auffassung, dass „etwas passieren“ müsse.
Ob es in diesem Zusammenhang eine gute Idee war, Magdeburgs ersten Hunde-Weihnachtsmarkt mit behördlichen Auflagen des Bauordnungsamtes im Zuge einer Gefahrenabwehrverordnung zu überziehen, wird man abwarten müssen. Der verhinderte Veranstalter, das Strandparx Resort am Neustädter See, zeigte sich jedenfalls sehr enttäuscht, den Markt schließlich absagen zu müssen, sah aber aus finanziellen Gründen keinen Ausweg, da er wie ein regulärer Weihnachtsmarkt eingestuft und mit denselben Sicherheitsauflagen versehen war.
Aus Angst vor islamistischem Terror hätten diese Auflagen aber eigentlich noch schärfer ausfallen müssen als bei einem gewöhnlichen Markt, schließlich gilt der Speichel dieser Tiere als unrein, wenn sie aus einem Gefäß trinken, und wenn ein Hund nach dem Genuss mehrerer Gläser Glühwein einen zuckerfreien Kaugummi kaut, um den Speichelfluss anzuregen und sich so vor Karies zu schützen, begibt er sich prompt in Gefahr. Die Sharia verbietet den Besitz von Hunden übrigens grundsätzlich: wer mit einem solchen Haustier erwischt wird, muss mit Gefängnis oder Auspeitschung rechnen. Vielleicht ist dies eine Diskussionsgrundlage, wenn der Ausschuss für Umwelt und Energie das nächste Mal zusammentritt, um dieses fundamentale Problem endlich zu lösen. Es muss jedenfalls etwas passieren.
