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In den letzten Wochen gab es mehrere gute Nachrichten für Magdeburg, für die Freunde des Weißstorchs und für die des Lindenbaums. Denn weil überraschend ein Storchenpaar im Herrenkrug auf einer Linde nistet, die eigentlich wegen Wurzelfäule gefällt werden sollte, bekommt der Baum eine Gnadenfrist und darf als Nistplatz dienen, in dem hoffentlich neues Leben heranwächst. Auch auf der Spitze des Kirchturms in Prester hat sich erstmals in dessen Geschichte ein Storchenpaar niedergelassen. Dies wiederum spricht dafür, dass das Nahrungsangebot für die gefiederten Glücksbringer rund um Prester offenbar ausreichend ist, so dass die Naturschutzmaßnahmen mit der Revitalisierung der Prester Seen, also dem Anschluss des alten Flussarms an die Elbe, einen weithin sichtbaren Erfolg zeigen.
Dass nun also in Prester und im Herrenkrug, sowie in Calenberge, Westerhüsen und Pechau Störche nisten, bedeutet ja zugleich, dass Magdeburg ein zunehmender Kindersegen ins Haus steht, der die Einwohnerzahl weiterhin wachsen lassen wird. Dieser Zusammenhang wird oft als lächerlicher Kinderglaube abgetan, dabei lässt er sich wissenschaftlich nachweisen. Wenn man nämlich eine partielle Korrelation zwischen zwei Variablen herstellen will, gilt es die sogenannte Störvariable zu vernachlässigen. Und dann gibt es eine signifikante positive Korrelation zwischen der Geburtenrate und dem Storchenaufkommen, die sich nicht wegdiskutieren lässt. Je mehr Störche es in einer Region gibt, desto mehr Babys kommen dort zur Welt, Punkt.
Das bedeutet natürlich nicht, dass der Storch die Babys persönlich bringt, aber es bedeutet, dass der Kindersegen reicher ist, wenn sich in der Nähe auch Störche ansiedeln und brüten. Nun sind freilich gute Nachrichten nicht immer für alle gleich gut. Sollte die Herrenkrug-Linde, in deren Krone zur Freude der Baum- und Vogelfreunde die Störche nun nisten, wegen ihrer Wurzelfäule zusammenbrechen, könnten nicht nur die Storchenbabys Schaden nehmen, sondern bei ihrem Dahinscheiden vielleicht auch noch unvorsichtige Spaziergänger, die sich nicht an die Absperrungen halten, mit ins Jenseits nehmen.
Und wenn man die oben eliminierte Störvariable wieder hinzufügt, muss man über die Industrialisierung reden - und dann wird der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität deutlich. Störche siedeln sich vorwiegend in ländlichen Gebieten an, größere Familien eifern ihnen darin nach, daher haben stark industrialisierte Gegenden sowohl weniger Kinder als auch weniger Störche. Und das wiederum bedeutet, dass ein erhöhtes Storchenaufkommen für eine schleichende Deindustrialisierung spricht. Wer eine wirtschaftlich prosperierende Stadt will, muss die Störche also verfluchen.
