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Der Stadtläufer
Das Vorhaben von MVGM-Geschäftsführer Steffen Schüller, den Elbauenpark mit einem Schau-Bauernhof aufzuwerten, hat im Stadtrat für Diskussionen gesorgt. Nördlich des Jahrtausendturms soll laut Rahmenplan auf 1.800 Quadratmetern ein Lernort entstehen, an dem unsere Stadtkinder sinnlich erfahren können, woher die Lebensmittel kommen. Dieses Ansinnen an sich ist unumstritten, für Streit zwischen den Fraktionen und Ausschüssen sorgt lediglich die Frage, ob diesen Bauernhof auch Tiere oder nur Bauern und Pflanzen bevölkern sollen.
Dabei geht es den Kritikern keineswegs darum, den Tieren Leid zu ersparen, da diese ja öffentlich geschlachtet werden müssten, wenn die Stadtkinder etwas lernen sollen, vielmehr befürchten CDU und FDP, dass diese Tierschau eine ernsthafte Konkurrenz für den Zoologischen Garten darstellen könne. Die Rede ist zwar nur von ein paar „Schweinen, Schafen, Kaninchen und Ponys“, aber dennoch könnte das Interesse an Karpaten-Luchs, Brillenkauz, Flachlandtapir oder Fuchsmanguste stark nachlassen, zumal man diese nicht aus so großer Nähe betrachten könne wie die Nutztiere. Daher stellte die Fraktion einen Änderungsantrag, der um einen Bauernhof ohne Tiere wirbt, was wiederum auf heftigen Widerstand aus der SPD stieß, da ein Bauernhof ohne Tiere „nicht sinnvoll“ sei, da er die Kinder „ratlos“ zurücklassen würde. Wieder andere wandten ein, dass ein realistischer Blick in die Tierhaltung mit so wenigen Nutztierrassen nicht vermittelbar sei, und forderten einen vollständigen Archenhof, der allerdings Schüller zufolge nicht geplant sei, da es der MVGM nur um einen Erlebnisort gehe, der „Lust auf Landwirtschaft“ macht. Ob es angesichts des Fachkräftemangels in unserem urbanen Gemeinwesen sinnvoll ist, den Stadtkindern Lust auf eine Tätigkeit in einem Agrarbetrieb zu machen, ist eine Frage, die in den Fachausschüssen bisher noch nicht ausreichend diskutiert worden ist.
Diskutiert wurde lediglich der Sinn der Anwesenheit von Tieren auf einem Bauernhof. Im Ergebnis dieser Diskussionen favorisierte der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr schließlich die Beschränkung auf einen tierlosen Bauernhof, während der Ausschuss für Umwelt und Energie die Tiere dringend dabei haben will.
Entscheiden muss darüber letztlich der Stadtrat, der aber dringend bedenken sollte, dass es nicht ausreicht, Schweine, Schafe, Kaninchen oder Ponys öffentlich vorzuzeigen, zu füttern und zu streicheln, da die Kinder sonst ja immer noch nicht wissen, woher die Lebensmittel kommen. Sie müssen erfahren und mit ansehen dürfen, wie das Schwein zum Steak, das Schaf zum Ragout, das Kaninchen zum Braten und das Pony zur Lasagne wird. Und wenn sie dann immer noch „Lust auf Landwirtschaft“ haben, dann müssen wir sie eben ziehen lassen.
