© C. Engelhardt
„Ich wollte mir nicht vorwerfen, es nicht probiert zu haben.“
Schauspiel und Musik, diese Kombination mag eine nicht unbedingt ausgefallene sein. Auf eine so beeindruckende Weise Hand in Hand einher, wie im Falle des in Magdeburg geborenen und aufgewachsenen Schauspielers Christian Friedel, geht diese jedoch selten. In den Schulpausen bereits hat der kleine Christian seine Mitschüler sowohl mit Handpuppen als auch mit in Fantasie-Englisch vorgetragenen Modern-Talking-Songs unterhalten. Nach einer Jugend zwischen Eiscafé Blume und Oli-Kino folgten Theaterjugendclub, Schauspielstudium sowie Engagements in München, Hannover und Dresden, erfolgreiche Titelrollen in „Don Carlos“, „Hamlet“ oder „Peer Gynt“. Einem sehr großen Publikum über die Theaterbühnen hinaus bekannt wurde Christian Friedel als Lehrer in Michael Hanekes „Das weiße Band“. Es folgten der Andrej in „Russendisko“ und Heinrich von Kleist in „Amour Fou“. Die Rolle des Hamlet war dabei der Fünfer im Lotto. In der Doppelrolle als Hamlet und Bandleader konnte der Mime nämlich seine beiden großen Leidenschaften vereinen. Und der Erfolg war ein furioser. „Bei den Polstersitzen stellten sich die Härchen auf, den Alten kippte das Monokel aus dem Tränensack.“ Christian Friedel spielt nicht nur den Musiker, wie etwa der eine oder andere prominente Kollege. Er ist es. Seine Musik ist ihm sowohl Leidenschaft als auch Herzenssache. Beeindruckend und in diesem Zusammenhang nur im ersten Moment überraschend ist dann auch Friedels Antwort auf die Frage, welche Türen ihm denn der Oscar nominierte und mit vielen Preisen bedachte Film „Das weiße Band“ geöffnet hätte. „Ich habe dadurch die Jungs von Polarkreis 18 kennenlernen können.“ Nachdem ihm nämlich sein Auto mitsamt einer raren Polarkreis 18-CD gestohlen wurde, hat er bei der Band nach einem Ersatz angefragt, „die kannten ,Das weiße Band‘ und luden mich in den Proberaum ein, um mir dort die CD abzuholen.“ Am Ende bekam Friedel nicht nur die versprochene CD, sondern auch eine eigene Band dazu. Zusammen mit Philipp Makolies, Uwe Pasora, Ludwig Bauer und Christian Grochau, mithin nahezu die komplette Band Polarkreis 18, hat er mit Woods of Birnam ein gemeinsames Projekt gefunden, das gerade auf eigenem Label sein Debütalbum veröffentlicht. Woods of Birnam, das ist zeitloser Pop, dem egal ist, wann man ihm begegnet. Songs, die enorme Intensität entwickeln, dabei nicht fremdeln aber auch nicht billig zu haben sind. Bei der Beschreibung des WoB-Kosmos verbieten sich stilistische Schubladen, es wird munter zitiert, die Einflüsse sind vielfältig. Die eigenen Stärken der Band, neben dem Gesang tolle melancholische Melodien und beeindruckende Soundscapes, werden aber zu keinem Zeitpunkt von stilistischen Anbiederungen überlagert. Das Ergebnis ist somit ein trotz allem homogenes. Friedels Texte lassen dazu jederzeit Platz für persönliche Interpretationen des jeweiligen Rezipienten. Konsequenterweise soll die Musik nun auch die Hauptrolle spielen. Sein festes Engagement beim Dresdner Staatsschauspiel hat Christian Friedel jedenfalls vorerst aufgegeben. Und das ist kein Ende, sondern ein Anfang.
Woods of Birnam, 22. November, 21 Uhr, Projekt 7, CD „Woods of Birnam“ ab 7.11., erhältlich

