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FCM 1990
Es war einfach ein symbolträchtiger Tag, dieser 3. Oktober 1990. Mit einem dritten
Platz hatte der 1. FC Magdeburg die letzte Saison der DDR-Oberliga abgeschlossen. Noch einmal gab‘s Europapokal. Nach dem 0:0 im Hinspiel mussten die Blau-Weißen an jenem Tag in Rovaniemi am Polarkreis antreten. Es war der Tag der deutschen Wiedervereinigung: angereist als DDR-Bürger, bei der Abreise Bundesdeutsche, stand das Team um Kapitän Dirk Stahmann damals mit beiden Fahnen auf dem Feld.
Ein letztes Mal stand man einen Monat später gegen Girondins Bordeaux auf der europäischen Bühne (zweimal 0:1) – danach begannen für den 1. FC Magdeburg die Niederungen des Fußballs mit Spielen bis tief hinein in die hintersten Ecken der Provinz. Begleitet wurde diese Entwicklung von einem Zuschauerschwund. Der Tiefpunkt war 1994/95 erreicht, als sich pro Heimspiel im Schnitt 444 Zuschauer im riesigen Kessel des Ernst-Grube-Stadions verloren.
Hatte der 1. FCM in den DDR-Jahren praktisch alle Spieler in der Region rekrutiert, wurde das neue Team trotz Absturz in Liga 4 zunehmend internationaler. Am sichtbarsten wurde es 1998, als mit dem Gambier Kemo Ceesay der erste Schwarzafrikaner für den Club spielte. 1999 kam mit dem Nigerianer Adolphus Ofodile einer hinzu, der 2002 im DFB-Pokal-Krimi gegen Bayern München das 1:0 machte, ein Spiel, das der FCM schließlich im Elfmeterschießen gewann.

