© Tom Wolf
Lucia Cervoni
Lucia Cervoni singt die Donna Isabella.
Wer das Theaterplakat nur flüchtig zur Kenntnis nimmt, liest „Die Braut von Messina“, Friedrich Schiller, Cornelia Crombholz. Und er wundert sich über den Namen Kimbo Ishii. Schiller ist Dramatiker und hat die „Braut von Messina“ verfasst. Cornelia Crombholz ist Schauspieldirektorin, das passt. Aber Kimbo Ishii, Magdeburgs Generalmusikdirektor? Genaueres Hinsehen klärt auf: Es handelt sich um eine Oper des Komponisten Zdenêk Fibich (1850 - 1900), die auf der Grundlage von Schillers Drama entstand. Und dass gestandene Schauspielregisseure „fremdgehen“, ist heutzutage nicht mehr ungewöhnlich.
Fibich gehört gemeinsam mit Dvořák und Smetana zum sogenannten Dreigestirn der tschechischen Musik des 19. Jahrhunderts. Mehrere seiner Opern wurden nicht nur in seiner Heimat aufgeführt, sondern auch in Deutschland. „Die Braut von Messina“ jedoch harrt noch der Entdeckung für hiesige Bühnen. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, für unseren musikalischen Spielplan immer wieder nach Unbekanntem Ausschau zu halten. Bei Fibich wurden wir fündig. ‚Die Braut von Messina‘ wird eine deutsche Erstaufführung sein“, berichtet Dramaturgin Ulrike Schröder. Bei Schiller heißt das Stück im Untertitel „Die feindlichen Brüder“. Erzählt wird eine Familientragödie, die zugleich die Tragödie eines Landes ist. Im Bemühen, ihre beiden entzweiten Söhne zu versöhnen und einen drohenden Bürgerkrieg abzuwenden, entschließt sich die verwitwete Fürstin jeweils unwissentlich, wie in einem griechischen Schicksalsdrama, zu Schritten, die statt zum Frieden zur Eskalation führen. Die inhaltlichen Anknüpfungspunkte liegen für Cornelia Crombholz auf der Hand: „Schiller ist ja eigentlich immer auch ein politischer Dichter. Es geht um Zwänge von Figuren in Machtstrukturen. Wir folgen der Vorgabe und beschreiben ein diktatorischen Staatsgefüge, das militärisch geprägt ist, das wir aber zeitlich nicht genau fixieren.“
Trauerspiel mit Chören lautet bei Schiller die für ein Schauspiel ungewöhnliche Genrebezeichnung. In einer Oper gehört der Chor natürlich unzweifelhaft dazu. In Fibichs „Braut von Messina“ gibt es eine Besonderheit: Der Chor halbiert sich in zwei Teile und stellt die jeweiligen Gefolgsleute der Kontrahenten dar, die eine aktive Rolle spielen und die Handlung vorantreiben. Es handelt sich darum um Männerchöre. „Fibich macht aus den Schwächen des Schauspiels ‚Die Braut von Messina‘ – die große Bedeutung der Chöre, die pathetische Sprache, und die unrealistisch-fatale Familienkonstellation – die besonderen Stärken“, erklärt die Regisseurin.
Fibichs Musik gilt als von Richard Wagner beeinflusst. Die Oper ist durchkomponiert, und Figuren wie Situationen werden durch Leitmotive psychologisch ausgedeutet. Das brachte dem Komponisten bei der Uraufführung 1884 in Prag Kritik ein: zu deutsch, zu wagnerisch, zu düster, hieß es. Bei der Deutschen Erstaufführung in Magdeburg sind diese Einwände sicher nicht zu befürchten. Im Gegenteil, Deutschlandradio Kultur würdigt das Ereignis mit einem Livemitschnitt und auch eine CD wird es geben.
Zdenêk Fibich „Die Braut von Messina“, Premiere: 14. März 2015 19.30 Uhr Opernhaus; Aktuelle Termine

