© Luca Migliore
Sieben Meter hohe Weltkugel
Eine sieben Meter große, in alle Richtungen bewegliche Weltkugel schwebt über dem nächtlichen Horizont. Magie? Nein, die Metallkugel wird symbolisch zur ins Wanken geratenen Weltbühne. Das Theaters Titanick verknüpft dabei Physical Theatre, Vertikaltanz, Kinetic Art und Videokunst
. Ihre 360-Grad-Performance „Upside Down“ ist ohne Zweifel der Eyecatcher des Eröffnungsfestes „la notte“ im Klosterbergegarten.
Erstmals seit acht Jahren gibt es wieder ein vollständiges Festival, wie in alten Zeiten eingeläutet das durch das Eröffnungsfest „la notte“. Anschließend möchte man eine Woche lang das Unerwartete feiern und Perspektiven wechseln. Über 25 Gastspielproduktionen aus über zehn Ländern, darunter eine Uraufführung und sechs deutsche Erstaufführungen, stehen im Programm. Gerahmt werden die Vorstellungen (darunter Straßentheater umsonst) durch Workshops, offene Proben, Gesprächs-Panels und Partys.
Es ist zugleich das erste Festival, das Ania Michaelis verantwortet. Seit dem 1. April ist sie Künstlerische Referentin am Puppentheater. Gemeinsam mit den Dramaturginnen Sofie Neu und Miriam Locker kuratiert die Regisseurin das Festival. Zu den Attraktionen des regulären Festivals gehören die Eröffnungsstücke Bande Originale (dt. Erstaufführung) der visuellen Theaterkompagnie Old Masters aus der Schweiz sowie die One Man Show (dt. Erstaufführung, VOX Muziektheater), die sich in einer Mischung aus Objekttheater, Barockgesang und elektronischer Musik dem Thema Männlichkeit nähert. Mit Atlas of Sounds/Waldstille hat der polnische Objekt- und Soundkünstler Ludomir Franczak eine eigene Arbeit fürs Puppentheater entwickelt, das beim Festival seine Uraufführung feiert: Hier tauchen Puppen aus der Figurensammlung in den Gruson-Gewächshäusern auf und stellen Fragen zum kolonialen Sammlungsdrang.
Ohnehin kapert das blickwechsel auch in dieser Ausgabe ungewöhnliche Spielorte: Neben den Gewächshäusern sind das Carl-Miller-Bad (Das tapfere Schneiderlein, Märchenfänger), der Salbker Wasserturm (Boîte crânienne, ein Puppen- und Maskenspiel der belgischen Compagnie La Corneille bleue), die Datsche (Schnitzel of Love, eine abgedrehte Figurentheater-Performance über Liebeskummer von Stefanie Oberhoff) sowie das Technikmuseum (Silicon Dreams, OutOfTheBox) vertreten. Letzteres spielt in Titel und Performance auf die oft vergessene, lange Geschichte der Mikroelektronik Ostdeutschlands an. Und: Mit Die Dinge und wir – Parcours der Miniaturen (Epp/Rüss/Vetter, Akira Schroth, Golden Delicious) ist das Puppentheater mit drei verschiedenen Objekttheaterstücken erstmalig zu Gast im Insel Theater.
Daneben setzt das Festival den Fokus auf Nachwuchs und Vernetzung – und zwar international: Die Masterclass Junge Elefanten versammelt Puppenspielstudierende aus Polen, der Ukraine und Frankreich. Mit dem Schreibkarussell, der Schreibwerkstatt für neue Dramatik im Figurentheater, lädt das Haus drei Dramatiker ein, Textskizzen fürs Figurentheater zu entwickeln.



