© Kerstin Schomburg
Die Hölle auf Erden
Es ist der 760.839.000. Jahrestag der Erschaffung der Welt. Doch statt Heiterkeit: Angst, denn ein Weltkrieg steht bevor. Ein Professor der Psychiatrie sieht keinen anderen Weg mehr und setzt eine Zeitungsannonce auf. In dieser bittet er Gott auf die Erde zu kommen, um die Menschheit zu retten. Doch Gott lehnt ab, schließlich haben die Menschen ihn in der Aufklärung abgeschafft und in Rente geschickt. Stattdessen sendet er Petrus und zwei Engel auf eine ebenso göttliche, wie göttlich absurde Mission.
Noch vor Hitlers Machtergreifung schrieb die Wiener Autorin Maria Lazar die Komödie „Die Hölle auf Erden“. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft lebte sie ab 1933 im dänischen Exil und viele ihrer Werke blieben fast 90 Jahre unentdeckt. Dennoch kommt das Stück mit einer erstaunlichen Wucht in der Gegenwart an. Themen, wie der aufsteigende Nationalsozialismus, das Zerreißen von Familien entlang politischer Überzeugungen oder die Suche nach Heilsbringern wirken aktuell.
Gegensätze sind es, die Regisseurin Julia Prechsl fasziniert haben, denn im Stück treffen Ernsthaftigkeit auf Ironie und Historie auf Gegenwart. Das starke Ensemble aus acht Schauspielern setzt mit ausladenden Kostümen, überraschenden Auftritten und ausgearbeiteter Musik auf Absurdität als Humorquelle. Mit „Die Hölle auf Erden“ ist Prechsl bereits das zweite Mal am Theater Magdeburg. Die gebürtige Landshuterin studierte in München Regie und arbeitet seit 2014 an Stadt- und Staatstheatern im gesamten deutschsprachigen Raum. Ihre Inszenierungen sind regelmäßig zu Festivals geladen, mehrfach ausgezeichnet und häufig durch eine Mischung aus Schalk und sozialem Ernst geprägt. „Ich weiß nicht, wie satirisch Lazar tatsächlich ist, aber ich glaube, sie versucht, eine Komödie zu benutzen, um Menschen dazu zu bringen, über schwere Dinge nachzudenken und das mag ich“, fasst Prechsl zusammen.
© Nicole Eggeling
Schauspielhaus/Theater Magdeburg
Otto-von-Guericke-Straße 64, 39104 Magdeburg
Theaterkasse: eine Stunde vor Vorstellungsbeginn


