© Nilz Böhme
Mit dabei: Tenor Timur und Vincent Casagrande
Eine Uraufführung ist Alfred Schnittkes (1934-1998) Oper „Leben mit einem Idioten“, nach der literarischen Vorlage von Wiktor Jerofejew, nicht, aber fürs Magdeburger Publikum eine attraktive Neuheit. Die Komposition ist geprägt aus einer Stilmischung unterschiedlichster Epochen, um die Situationen darzustellen. So gibt es Zitate russischer Volksmusik, aus der Matthäus-Passion oder aus der „Internationalen“.
Bereits optisch präsentiert Regisseur Julien Chavaz den Abend als ein Geschehen, in dem das Irrationale das Rationale dominiert: eine höllische Grotte, in deren Zentrum eine Art düsterer Zirkus, umrandet von einer Tribüne, von wo der Chor das Geschehen 1:1 kommentiert. Den titelgebenden Idioten zeigt Chavaz als Art mythologische Figur, ein Mischwesen zwischen Mensch und Hund mit Fell und Hundeohren, niedlich und lieb, zugleich bedrohlich aggressiv und unberechenbar. Die weiteren Rollen zeigen seelisch verletzte Menschen, deren Entscheidungen vernunftwidrig und widersinnig erscheinen.
Die Musik beschreibt diese irrationalen inneren Gefühle und hilft, die skurrilen Vorgänge zu verstehen. Sängerisch sind die Partien für die Protagonisten, aber auch für den Chor, außerordentlich anspruchsvoll. Intervallsprünge und extreme Spitzentöne kennzeichnen sie. Für die Hauptrollen kommen internationale Gäste: Gyula Nagy, ein Bariton aus Ungarn, singt Ich, den Erzähler, die Sopranistin Alison Scherzer, dem Publikum bereits für ihre Darstellung als Salome bekannt, die Ehefrau. Timur, ein hoher Tenor aus Kasachstan, den Zuschauern ebenfalls aus Salome vertraut, gastiert in der Titelrolle. Pawel Poplawski dirigiert die Magdeburgische Philharmonie.
© HL Böhme
Opernhaus/Theater Magdeburg
Universitätsplatz 9, 39104 Magdeburg
Theaterkasse im Opernhaus Mo bis Fr: 10.00 bis 18.30 Uhr, Sa: 10.00 bis 14.00 Uhr Sonn- und Feiertags: geschlossen. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

