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Uraufführung Abraham: Freie Kammerspiele
In den Proben gilt es die lichten Höhen und dumpfen Abgründe eines zunehmend irre werdenden Charakters auszuloten: Susanne Bard und Jörg Schüttauf
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Spielt den Paul Abraham: Jörg Schüttauf
Das Publikum liebt den deutschen Schauspieler vor allem für seine authentischen und lebensnahen Darstellungen. Er gilt als einer der vielseitigsten deutschsprachigen Theater- und Fernsehschauspieler. Zu DDR-Zeiten wurde er für seine Hauptrolle in der Defa-Komödie „Ete und Ali“als Jungstar gefeiert. Nach der Wende folgten diverse Theater- und Fernsehrollen, von denen er besonders den Tatort-Kommissar prägte. Für sein vielseitiges Schaffen wurde mehrfach mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.
Der Mann gehört zu den ganz großen Komponisten des 20. Jahrhunderts – obwohl das keiner so recht weiß. Denn die Geschichte des ab Ende der 1920er Jahre kometenhaft aufsteigenden Paul Abraham, der u.a. großartige Filmmusiken schrieb, wandelte sich nach der Machtergreifung der Nazis zu einer Tragödie. Dem rauschenden Erfolg folgten Vertreibung, Flucht in die USA, Erfolglosigkeit dort und der beginnende Wahnsinn. Es heißt, dass er bei seiner Flucht aus Deutschland gut 200 noch unveröffentlichte Werke zurückgelassen hat – große Werke, die Jahre darauf sich andere zu eigen machten und veröffentlichten.
Zufällige Entdeckung: Abraham
In Deutschland hat man den Komponisten Paul Abraham und seine Werke seit ein paar Jahren wiederentdeckt. So spielt die Komische Oper Berlin derzeit mit der Erfolg seine Operette „Ball im Savoy“. Eher per Zufall stieß der Magdeburger Autor Dirk Heidicke bei der Stoffsuche für das Nachfolgeprojekt der Inszenierung „The Kraut“ auf Abrahams Lebensgeschichte und verdichtete sie zu einem tragikomischem Text.
Ebenso wie bei „The Kraut“ ist die nun anstehende Uraufführung Musiktheater mit historischem Hintergrund, ebenso wie in „The Kraut“ steht Susanne Bard in tragender Rolle auf der Bühne. Dazu hat sich wieder das eingespielte Team aus Regisseur Klaus Noack und Pianist Jens-Uwe Günther zusammengefunden.
Intensives Charakterstudium
Für die Titelrolle haben sie mit der Verpflichtung von Jörg Schüttauf einen kleinen Coup gelandet, aber auch das hat eine Vorgeschichte. Denn der aus dem Tatort und zahlreichen Fernsehfilmen bekannt gewordene Grimme-Preisträger gehört nicht nur zu Deutschlands besten Charakterschauspielern, er hat einst zusammen mit Susanne Bard das Schauspielstudium an der „Ernst Busch“ absolviert. Der Stoff ist anspruchsvoll. In den seit Januar laufenden Proben gilt es, die lichten Höhen und dumpfen Abgründe eines zunehmend irre werdenden Charakters auszuloten. „Wir tasten uns an die Figur des Paul Abraham heran, sie wird immer üppiger“, beschreibt Jörg Schüttauf die Arbeit. Für ihn ist auch die musikalische Anforderung seiner Rolle sehr reizvoll, denn über die Rolle des Peachum in der Dreigroschenoper ging es bisher nicht hinaus. Aber auch hier klopft die Vergangenheit an. Ausgerechnet Jens-Uwe Günther als Musiklehrer an der Schauspielschule hat in ihm die Leidenschaft für das Singen entfacht. Schüttauf, die aus Chemnitz stammende Frohnatur, dem beständig der Schalk auf der Zunge sitzt, kommentiert das so: „Er hat mich von ner schlechten Vier auf eine Eins im Singen gebracht.“
Wiederbelebung einer Spielstätte
Als Spielstätte wird übrigens der Blüthnersaal in der Stadthalle wiederbelebt. Auch das ist eine schöne Brücke in die Vergangenheit, denn nicht nur Abraham und die Stadthalle wurden ziemlich zur selben Zeit groß, auch Jörg Schüttauf hat hier schon auf der Bühne gestanden, damals in den 1980ern, als wilde Schauspiel-Band mit Kollegen wie Dirk Schoedon
Abraham, Premiere: 20.Februar, Stadthalle,Blüthnersaal; weitere Termine

