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Stimmgewaltig und mit feiner Ironie: Anika Neipp und Ilja Richter
Der Mann ist eines der großen Gesichter des deutschen Fernsehens: Als Moderator der ZDF-Musiksendung „Disco“ hatte der blutjunge Ilja Richter in den 1970ern ein Millionenpublikum. Heute ist der Mann gestandene 74 Jahre alt und als Synchronsprecher von Disney-Figuren wie Timon aus „König der Löwen“ ist seine markante Stimme auch dem jungen Publikum vertraut. Zu dieser „unsichtbaren Karriere“, wie er es selbst gern nennt, gehört auch die Präsenz auf der Schauspielbühne, aber auch die kluge Satire ist ihm nicht fremd.
Inspiriert von Georg Kreislers bitterkomischem Fazit einer Ehe – „Als wir noch dünner waren, standen wir uns näher“ – lädt er gemeinsam mit Sängerin Anika Neipp zu einem unterhaltsamen wie nachdenklichen Abend. Zwischen Chanson, Kabarett und Satire widmen sich die beiden den Höhen und Tiefen menschlicher Beziehungen – privat wie politisch. Der Titel „Wir woll(t)en niemals auseinandergehn“ spielt mit dem Schlager von Heidi Brühl – und mit der Vergänglichkeit von Versprechen. Das kleine eingeschobene „t“ steht sinnbildlich für die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Nähe und Entfernung, zwischen Ost und West, Mann und Frau, damals und heute.
Ilja Richter mit seinem facettenreichen Schauspiel und der Liebe zum pointierten Wort trifft auf die stimmgewaltige Anika Neipp, die „Röhre von Trossingen;“ wie sie ihre Fans im Südwesten volkstümlich nennen. Begleitet werden sie von Harry Ermer am Flügel, der den Abend mit seiner musikalischen Virtuosität vollendet.
Mit feiner Ironie und musikalischem Können beleuchten sie Geschichten, die das Leben schreibt. In Liedern von Charles Aznavour, Georg Kreisler und anderen erklingen Chansons über das Loslassen, das Erinnern, das Sich-nicht-Aufgeben. Dass die Erstaufführung des musikalisch-kabarettistischen Abends ausgerechnet in der Zwickmühle stattfindet, hat zwei gute Gründe: Zum einen ist Ilja Richter seit Jahren mit den Machern befreundet und schätzt das ambitionierte politische Kabarett des Hauses, zum anderen suchte er für die Preview seines Programms eine kleinere Bühne, so dass sich der Kreis in Magdeburg schloss.

