© Kerstin Schomburg
Robert Lang-Vogel als Orsino, Marie-Joelle Blazejewski als Olivia und Philipp Kronenberg als Malvolio
Regisseurin Clara Weyde sieht sich nicht als Romantikerin. Und dennoch: Was good old Shakespeare da in seiner vielgespielten Komödie „Was ihr wollt“ erstehen lässt, kann ihrer Meinung nach auch in den härtesten Herzen wieder die Lust auf die Liebe wecken.
Der Schauplatz: eine mutmaßliche Insel, abgeschirmt von Alltagsrealitäten und mit einer stark limitierten Anzahl an potentiellen Liebespartnern. Hier strandet eine Frau, verkleidet sich als Mann, verliebt sich in einen Mann, der eine andere Frau liebt, die sich wiederum in die erste Frau verliebt, die sie ja für einen Mann hält, diese Liebe aber schlussendlich auf deren Zwillingsbruder überträgt.
Verwirrend und unrealistisch? Macht nichts! Bei Shakespeare ist die Liebe nicht psychologisch fundiert, sondern Schicksal – „eine Art Krankheit“, wie Weyde es nennt. Sie trifft Herzog wie Diener, Gräfin wie Pagen – und schon werden sämtliche Standesgrenzen, alle Vernunft und bisweilen auch jede Selbstachtung über Bord geworfen. „Die Liebe führt den gesellschaftlichen Status ad absurdum. Und das ist einfach schön!“, sagt Weyde. Das Stück sei ein Geschenk: an das zehnköpfige Ensemble, das sich mit vollem Herzen in die Entwicklung „toller Figuren“ (und bei Weyde in die Welt des Hobby-Horsing) stürzen kann. Und ebenso an das Publikum: In unseren hochgradig verstörenden Zeiten, in denen Wut und Hass die Weltlage zu dominieren scheinen, sei es fast ungewohnt aber wohltuend, auf der Bühne große Gefühle und ein saftiges Happy End zuzulassen.
Dies bewog das Schauspiel-Leitungstrio, für „Was ihr wollt“ seine geballten Kompetenzen (Regie: Clara Weyde, Kostüm: Clemens Leander, Dramaturgie: Bastian Lomsché) in den Ring zu werfen. Dies – und die Überlegung, dass es wenige gute Komödien gibt, die ihre Witze nicht auf dem Rücken marginalisierter Gruppen austragen. Shakespeare, der meisterlich Traumwelten mit tiefen Wahrheiten verbindet und seine Figuren virtuos in immer neuen Konstellationen auf-, gegen- und zueinander führt, steht auch nach über 400 Jahren über all dem.
Übrigens: Ganz so unrealistisch ist seine Story gar nicht. Ein Ensemblemitglied wusste von einem Fall zu berichten, bei dem sich ein Mann über Tinder zweimal mit derselben Frau verabredete – und sich erst im Nachgang herausstellte, dass er von einem Zwillingspaar an der Nase herumgeführt worden war. Dann doch lieber eine gute Shakespeare-Komödie!
© Nicole Eggeling
Schauspielhaus/Theater Magdeburg
Otto-von-Guericke-Straße 64, 39104 Magdeburg
Theaterkasse: eine Stunde vor Vorstellungsbeginn

