© Nilz Böhme
Zeitsprung: Oper aus 1790 spielt nun in Zeiten von KI
Im Zentrum der Mozart-Oper stehen zwei Liebespaare, die gegenseitig von ihrer absoluten Treue überzeugt sind und sich auf eine Wette einlassen, die deren Beständigkeit testet. Martina Gredler stellt das Werk inhaltlich in den aktuellen Rahmen der Künstlichen Intelligenz.
Frau Gredler, die Uraufführung der Mozart-Oper fand 1790 statt, also ein Jahr nach der französischen Revolution. Sie entdecken in dem Werk über die Musik hinaus, eine heutige Bedeutsamkeit? Die Französische Revolution bedeutete einen Paradigmenwechsel, der auch die Sexualität der Menschen veränderte. Das gerade entstehende Bürgertum wollte sich mit seinem Konzept der romantischen Liebe und Treue gegen die Frivolität des Adels abgrenzen. Unsere Zeitenwende ist aus meiner Sicht die Künstliche Intelligenz, die sich immer mehr auf unsere Liebesbeziehungen auswirken wird. Der Mensch ist scheinbar nicht mehr die Krone der Schöpfung. Schon heute gibt es Vorstufen: Man kann sich z.B. mit KI-Chatbots „den/die perfekte/n Partner/in backen“, wie man so schön sagt.
Wie setzen Sie die Überlegungen auf der Bühne um? Durch KI erhält das Thema eine neue Dimension: Können sich Menschen in Chatbots verlieben und diese auch heiraten? Wir versetzen die Handlung in die Zeit der 80er/90er Jahre, die Zeit der Erfindung des Internets, die Zeit der IT-Nerds und die Entwicklung des Silicon Valley. Don Alfonso, ein Zyniker, der mit den Gefühlen der Menschen spielt, kreiert ein Videogame, in dem sich die Frauen in Avatare verlieben. Die Bühne nimmt das Publikum mit in den Computerspielkosmos des beginnenden Internetzeitalters. In dieser künstlichen Welt treffen die Figuren aufeinander.
Wie beantworten Sie in Ihrer Aufführung die Wette? Wie geht die Geschichte aus? Ernüchterung und Erschrecken sind groß, als die Realität offenbar wird. Die Freude wird künstlich hergestellt. Das Happyend am Schluss kommt schal daher.
Verbinden Sie mit der Inszenierung eine moralische Wertung? Die KI ist ein Monster. In ihren Auswirkungen ist sie unkontrollierbar, nicht nur auf die Arbeitswelt, sondern auch auf unsere Herzen. In Zeiten, wo internationale Tech-Konzerne so viel Macht haben, fehlen uns Philosoph:innen. Wir brauchen ein moralisches Korrektiv, gerade in Zeiten der KI. Und wir brauchen Kunst!
© HL Böhme
Opernhaus/Theater Magdeburg
Universitätsplatz 9, 39104 Magdeburg
Theaterkasse im Opernhaus Mo bis Fr: 10.00 bis 18.30 Uhr, Sa: 10.00 bis 14.00 Uhr Sonn- und Feiertags: geschlossen. Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

