© Kathrin Singer
Ralph Martin
„Das, was wir machen, hat mit Singen nichts zu tun.“ Ralph Martin weiß seit seinem Ausflug ins Operngenre, welche Kraft in der Kunst des Singens liegt. Als Bassa Selim übernahm er 2012 die Sprechrolle in Mozarts „Entführung aus dem Serail“, ließ sich von Musiktheaterkollegen faszinieren und nahm im Anschluss bei Opernsängerin Lucia Cervoni sogar Gesangsunterricht.
Der gelernte Zahntechniker entdeckte einst in einem Arbeitertheater das erste Hobby, das ihm richtig Spaß machte: „Ich habe dort Leute getroffen, die mir nahe waren. Dann saß ich mit 19 im Labor und habe mich gefragt, ob das mein Leben sein soll.“ Dem Schauspielstudium in Rostock schlossen sich Engagements in Dresden, Zwickau und Tübingen sowie eine freiberufliche Phase an. Was ist in Erinnerung geblieben? Sascha Hawemann ist einer, bei dem er in der Inszenierung „Totentanz“ zwar nur klein besetzt war, über den er aber wortreich ins Schwärmen gerät: „Das ist ein Regisseur, den etwas umtreibt und zusammen mit seinen Schauspielern nach künstlerischem Ausdruck sucht. Man fühlt sich bei ihm gemeint und gesehen.“
Mit dem Ende der Spielzeit aber endet auch seine Zeit als Schauspieler. „Ich hab das 20 Jahre lang gemacht und will meinem Leben nochmal eine Wende geben“, sagt der 44-Jährige. Für ihn ist es vor allem die fehlende Relevanz, bei dem was das Stadttheater aktuell leistet. Die übliche Trennung von künstlerischer Leitung und Ensemble verschenkt in seinen Augen zu viel Kreativpotential. Spielpläne würden immer häufiger von ökonomischen Zwängen diktiert. „Es geht zu wenig um Themen, und zu viel um Wirtschaftlichkeit.“ Dabei bliebe nicht nur das selbstbestimmte künstlerische Denken auf der Strecke. Auch eine politische Auseinandersetzung finde viel zu wenig statt, bedauert er. Zusammen mit seiner Frau feilt er an einem gemeinsamen Traum: Auswandern. „Wir wollen in aller Bescheidenheit, aber selbstbestimmt leben. Völlig unspektakulär.“
Alice, Premiere: 31. Januar, 19.30 Uhr, Schauspielhaus; Aktuelle Termine

