© Lena Prieß
Im Hackerspace des Netz39 e.V.
Oscar Bloch steht vor der Tür des Hackerspaces seines Vereins Netz39. Aus der Hose kramt er keinen dicken Schlüsselbund sondern sein Handy, womit er kurzerhand das elektronische Türschloss entsperrt. Gleich danach legt er drinnen einen Hebel an der Wand um. Jetzt können alle online sehen: es ist jemand da, die Tür ist offen. Auf der einen Seite wirkt der Komplex wie eine gemütlich-chaotische Studenten-WG mit Couch, großem Tisch und vollausgestatteter Küche. Auf der anderen Seite stehen 3D-Drucker, ein großer Tisch zum Löten, Mikroskope für Feinstarbeiten und jede Menge Kisten mit technischen Teilen. Eine Förderung vom Landesministerium für Infrastruktur und Digitales ermöglicht nun die Anschaffung eines Lasercutters für Platinen, Holz, Acryl und mehr. Aber wozu das alles?
Man merkt schnell, Netz39 wollte hier eine Anlaufstelle für Technikinteressierte schaffen. Auch Oscar selbst fand dort Anschluss, nachdem es ihn als Softwareentwickler nach Magdeburg gezogen hat. Doch der Hackerspace ist noch viel mehr. Vergleichbar mit sogenannten Repair-Cafés bekommt man hier Hilfe, wenn man beispielsweise das Display seines Handy austauschen möchte. Durch die Förderung im Rahmen der „Strategie Sachsen-Anhalt Digital 2030“ kann der Verein dieses Jahr auch spezifische Workshops veranstalten. Dabei geht es vor allem um digitale Souveränität. Nach dem Motto ‚Do it Yourself‘ lernt man hier auch, wie bei Problemen mit Hardware oder Software selbst Hand angelegt werden kann, statt auf fertige Lösungen zurückzugreifen. Das spart im Zweifelsfall Geld und Elektroschrott.
Signal statt Whatsapp? Mastodon statt X oder TikTok? Die digitalen Plattformen, auf denen wir uns tagtäglich bewegen, stehen unter starkem Einfluss (zunehmend) autoritärer Staaten wie China oder den USA. Fake News und Hass im Netz werden nicht nur ignoriert, sondern eher begünstigt. Die eigenen, teils hochsensiblen Daten sind Futter für Künstliche Intelligenzen. Netz39 e.V., MagdeMINT und der Softwerke Magdeburg e.V. laden 2026 zu regelmäßigen Digital Independence Days ein. Dort geht es darum, die Abhängigkeit von undemokratischen Plattformen zu verringern, die europäischen Alternativen aufzuzeigen und wie man zu ihnen wechselt.

