53 Mal hat sich Denis Germer damals „Beat Street“ angesehen. Immer wieder. Neben der irren Musik und der Story über zwei Breakdance Crews ging es ihm um das Erlernen der Tanzschritte. Dabei markierte der Film längst nicht den Anfang der HipHop-Kultur in Magdeburg. Denis und sein Freund Ingo, beide Jungs aus Reform, hatten schon 1983 mit dem Tanzen begonnen, „einfach aus Spaß an der Freude“, Trainiert wurden die damals 12-, 13-jährigen von 16-, 17-jährigen, der ersten Generation sozusagen, die um 1980 den HipHop über Zeitschriften und TV für sich entdeckt hatten. „Wir wussten damals nicht, dass der ganze Kram Breakdance hieß, aber der Tanzstil zog uns magisch an“. Das Problem damals: es gab einfach keine Videos. So blieben nur wenige Sekunden, um im ZDF bei „Wetten dass“ einem Break Dancer zuzusehen. Vorbei, Wiederholung oder Zeitlupe nicht möglich. So musste jeder Akrobatik und Gleichgewicht der Moves quasi selbst entwickeln. „Wir kannten um 1984 so 20, 25 Moves, kein Vergleich zu den etwa 500 von heute“, relativiert Ingo. Als 1985 „Beat Street“ in die Kinos kam, gab das der ohnehin starken Magdeburger Szene (neben Berlin und Brandenburg, während Dresden und Teile Sachsens ohne West-TV im „Tal der Ahnungslosen“ saßen) zusätzlichen Schwung. Gut 200 Breaker gab es damals in der Stadt, organisiert in gut 20 Stadtteil-Gruppen. Getanzt wurde in den Jugendclubs Witwe Bolte, Kika oder Banane, der absolute Hotspot aber war die Klosterwuhne, wo man nur per Empfehlung eines Breaker reinkam. Als vorläufigen Höhepunkt holte die Magdeburger „B-Boys“ im Herbst 1984 die inoffizielle DDR-Meisterschaft im Breakdance und traten 1986 im DDR-TV auf. 1988 startete dann auf DT 64 mit „Vibration“ die erste HipHop Sendung der DDR. Und was sagen Denis und Ingo heute? „Wenn wir das so rückblickend betrachten, war es ein Glück für uns, in diese große Zeit hineingeboren worden zu sein.“


