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Hoch zu Ross: Tahnee
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Hape Kerkeling als Horst Schlämmer und Tahnee als Gabi Wampel
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Tahnee in "Horst Schlämmer sucht das Glück"
Tahnee, Sie geben mit „Horst Schlämmer sucht das Glück“ Ihr Kinodebüt. Wie sind Sie an Bord gekommen?
Über ein Casting. Ich hatte das Glück, alle überzeugen zu können - und ich habe mich natürlich immens darüber gefreut.
Wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Werk des Hape Kerkeling in Berührung gekommen?
Da war ich tatsächlich im Kindesalter. Hape hat mich sehr geprägt. Ich war sofort von seinen Figuren, seiner Detailverliebtheit und seiner Inszenierung fasziniert. Er lebt diese Figuren. Das habe ich in mir aufgenommen und auch das Gefühl bekommen, dass wir diese Liebe teilen und diese Figurensprache auch in mir existiert. Ich komme ja aus Heinsberg, einem Dorf. Da war es schon etwas Besonderes, so ein Vorbild zu haben.
Wie haben Sie Herrn Kerkeling am Set erlebt?
Wunderbar! Wir haben sehr viel gelacht, das muss man auch dazu sagen. (lacht) Das war ein wirklich tolles Arbeiten. Wir kennen uns schon etwas länger und dass wir jetzt zum ersten Mal arbeitstechnisch zusammenkommen, war natürlich ganz großes Glück. Wir teilen auch die gleiche Arbeitsethik. Wir sind zwar mit Spaß und Freude dabei, aber auch sehr genau in dem, wie wir die Figuren spielen und leben. Das war toll und hat sich sehr organisch angefühlt.
Horst Schlämmer beklagt, dass die Menschen in unseren Tagen pampig und miesepetrig geworden sind. Empfinden Sie das ähnlich?
Ja, absolut. Natürlich ist es auch etwas, dass gerne mal klischiert dargestellt wird, wenn Deutsche unter sich fragen: „Wie geht‘s?“ „Ja muss, ne.“ Man ist gerne dabei, sich zu beschweren. Vielleicht haben wir einfach das Gefühl, es ginge uns ein bisschen besser, wenn wir uns erstmal ein bisschen abreagiert und beschwert haben. Natürlich ist die Weltlage auch dementsprechend. Es gibt viel Beunruhigendes, auch das Politische im eigenen Land. Wir sind sehr gespalten und ich habe Sorge, wie sich das bis 2029 entwickeln wird. Ich hoffe, dass wir dann alle noch auf dem demokratischen Weg unterwegs sind. Die Entwicklungen auf Social Media tragen auch nicht dazu bei, dass man bei sich bleibt und zufrieden ist. Dort wird immer auf Perfektion abgezielt. Wenn dir alle online das perfekte Leben vorgaukeln, ist es schwer, dankbar und genügsam mit dem eigenen umzugehen.
Offensichtlich sind Sie ein politisch interessierter Mensch. Schlägt sich das auch in Ihren Programmen nieder?
Das Politische gibt es bei mir auch im Privaten. Das hat alles irgendwo eine Bedeutung und eine Aussage. Comedy ist eben sehr vielschichtig. Ich kann natürlich auch etwas Flaches erzählen und man lacht einfach – auch um Abstand davon zu nehmen. Ich kann es aber auch benutzen, um Dinge aufzuzeigen. Das mache ich gerne. Für mich persönlich ist es einfach schön, dass ich die Freiheit habe, mich dahingehend so zu entfalten, wie ich das gerade fühle. Mir ist es auch wichtig, bestimmte Dinge mitzuteilen und ich freue mich natürlich, wenn das Anklang findet.
Sie verkörpern die Schauspielerin Gaby Wampel in verschiedenen Rollen. Welche war die spannendste?
Es ist echt schwer, einen Favoriten zu picken. (lacht) Das Ganze lebt durch diese Unterschiedlichkeit, was meinem Naturell auch sehr nah kommt. Da ich auf der Bühne viel switche und parodiere, ist es wirklich toll, dass ich hier auch so wandelbar sein darf. Jede Rolle für sich hatte etwas Besonderes. Ich habe von 19 bis 80 einmal alles durchgespielt. Die alte Version der Gaby Wampel war natürlich wahnsinnig aufwendig. Ich saß vier, viereinhalb Stunden in der Maske, um dann einen Ausblick darauf zu bekommen, wie ich denn in 50 Jahren aussehen könnte. (lacht) Das ist natürlich auch spannend. Man ist sofort in einem anderen Gang und am Set haben sich alle kaputt gelacht. Während der Pause meinten sie, ich esse auch wie eine alte Frau. Das war sehr lustig und hat viel Spaß gemacht. Wir hatten tolle Drehorte, zum Beispiel den wunderschönen Walchensee. Mit dem Stunt-Team zu arbeiten war auch Wahnsinn. An einem Kran überm Walchensee zu hängen, erlebt man auch kein zweites Mal. Auch diese Soap-Geschichte im Reitstall war hysterisch. Da hatten wir den schlimmsten Lachanfall, da mit Tieren zu drehen auch noch mal etwas Anderes ist. Die verhalten sich wie sie in dem Moment wollen. Da ergaben sich komische Situationen, durch die Hape und ich minutenlang Tränen gelacht haben. Das war einfach toll.
Sie schauen auch beseelt drein, wenn Sie am Ende mit den Kindern singen.
Ja, das war wundervoll! Es ist immer schön, wenn es nicht die eigenen sind und man genießen kann, dass alle gut drauf sind. (lacht) Das ist einfach das Schönste.
Hatten Sie es schon einmal mit einem echt schrägen Journalisten zu tun?
Ehrlicherweise kann ich mich nicht erinnern, dass jemand mal extrem schräg gewesen wäre. Gott sei Dank! Vielleicht haben sich die Zeiten dahingehend auch geändert. Hape erzählt auch von Erlebnissen, die ihm am Anfang seiner Karriere passiert sind. Das liegt ja nun auch schon zwei, drei Jahre zurück.
Im Film wird auch thematisiert, dass man nicht mehr „Sie ist ´ne Hübsche“ sagen darf. Fühlen Sie sich durch Komplimente für Äußerlichkeiten belästigt?
Das kommt immer auf die Art und Weise an: Wer es sagt, wie es gesagt wird und in welchem Kontext. Das kann man auf alles Mögliche im Leben übertragen.
Sind Sie dem Zeitgeist entsprechend auf der Bühne mit den Jahren vorsichtiger geworden, was Sie sagen?
Ich finde es gut, dass es eine Entwicklung dahingehend gibt, dass man sich mehr Gedanken macht. Denn auch Worte verletzen. Man muss sich einer gewissen Verantwortung bewusst sein, auch auf der Bühne. Wenn ich jetzt auf Auftritte zurückblicke, die ich mit Anfang 20 vollzogen habe, denke ich teilweise auch: Uiuiui, würde ich heute so nicht mehr sagen. Aber das ist auch ganz klar. Comedy ist immer eine Momentaufnahme und man entwickelt sich auch weiter. Das finde ich gut.
Könnten Sie sich eine Karriere wie die der Anke Engelke vorstellen, die Comedienne war und nun auch durchaus ernste Rollen spielt?
Interessiert bin ich in jedem Fall. Ich glaube auch, dass jede Komikerin und jeder Komiker im Kern eine sehr ernsthafte Seite in sich tragen. Ich freue mich auf alles, was kommt. Wer weiß, was die Zukunft bringt? Lust und Interesse hätte ich.
Sie gehen ab September mit Ihrem neuen Programm „Ein Touch Too Much“ auf Tour. Was erwartet den Zuschauer?
Das Programm ist gerade in der Mache, sozusagen. Es geht generell um dieses Gefühl, ein Touch too much. Ich selbst fühle mich manchmal einen Touch too much, weil ich so schnell die Stimmen wechsle und die Leute vielleicht überfordere. Aber gleichzeitig habe ich auch diesen Blick auf unsere Gesellschaft. Was ist mir denn zu viel? Was ist dem Publikum vielleicht zu viel? Es ist ein bunter Mix aus allem. Ich kann noch nicht allzu viel vom Inhalt vorwegnehmen.
Außer in Leipzig spielen Sie nirgends im Osten. Haben Sie Berührungsängste?
Überhaupt nicht. Ich bin schon in Leipzig, Dresden, Halle, Magdeburg und Chemnitz aufgetreten. Ich war schon überall im Osten. Das ist meine vierte Tour. Ich liebe es, im Osten zu spielen. Das jetzt ist natürlich der Hallengröße geschuldet. Es gibt eine große Arena in Leipzig. Manchmal liegt es einfach an logistischen Dingen. Bisher war ich bei jeder Tour in vielen Städten im Osten unterwegs. Wenn man größere Hallen spielt, ist es logisch, dass sich dadurch die kurz nebeneinander liegenden Städte auf eine kleine Fahrt einstellen müssten. Ich hoffe, dass trotzdem alle Lust haben zu kommen.
Mögen Sie das Tour-Leben?
Das Tour-Leben ist super. Wenn man 100 Tage im Jahr auf Comedy-Tour ist und noch viele andere Termine hat, ist es natürlich schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Aber es gibt nichts Schöneres als den Moment, wenn man auf der Bühne steht und in lachende Gesichter blickt. Da ist jeder Abend anders und jeder Raum hat eine Eigendynamik. Das ist einfach meine Kernkompetenz und ohne Bühne könnte ich gar nicht.
Wo und wann sind Sie am glücklichsten?
Tatsächlich bin ich sehr dankbar, dass ich mein privates Glück mit meiner Frau gefunden habe. Ansonsten bin ich natürlich auch sehr glücklich, meinen Beruf nicht nur Beruf, sondern auch Berufung nennen zu dürfen. Das ist etwas, was nicht allzu viele haben: Dass sie auch in ihrem Job, in ihrem Arbeitsalltag sehr glücklich sind. Es ist natürlich wahnsinnig toll, das so erleben zu dürfen.
Woher kommt eigentlich der schöne Name „Tahnee“?
Das ist ein indianischer Name, das heißt Morgenröte. Eine Göttin der Maori hieß wohl auch so. Es kann einen also schlechter treffen. Schaffarczyk ist ein wenig sperrig. Aber der hat sehr viele Konsonanten, also bekommt man viele Punkte bei Scrabble.

