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Die Magdeburger Filmkolumne - 1
Мир для України!
Eigentlich wollte ich was über die Oscars machen, aber … näää. (In der Online-Ausgabe zur vorherigen Ausgabe, gibts aber einen Schwenk – bei Bedarf.) Ich war neulich im Kino, habe den Animationsfilm »Hoppers« geschaut und plötzlich war das Thema da (Grüße an die Ideengeberinnen): Brückenfilme.
Klar, wenn Du in MD über ‘ne Brücke rauschst, ist das purer Existenzialismus: »Fahre ich das letzte Mal drüber? Sterbe ich? Warum riecht die Schrote manchmal so komisch? Warum bekomme ich im Stau explosionsartigen Durchfall?« Deswegen kommt hier einfach ‘ne Watchlist mit sieben Brücken, die man im Film gesehen haben darf … »sieben Brücken« wegen … ja, komm, is gut.
Kurzkritik zu Pixars HOPPERS (2026): Stammhalter der Trauerbewältigung
So simpel wie die Prämisse klingt, so gut funktioniert sie auch: »Hoppers« ist im Prinzip »Avatar« in der Tierwelt, mit typischer Pixar-Kulleraugen-Optik. Awesome. Im Film versucht die jugendliche Umweltaktivistin Mabel ein massives Brückenbau-Projekt zu verhindern, das die angrenzende Natur massiv schädigen könnte. Dafür schlüpft sie via Bewusstseinstransfergerät in einen süßen Robo-Biber und versucht undercover im Umkreis des betreffenden Sees einen Aufstand unter den Tieren zu provozieren. Das klappt; etwas zu gut und plötzlich stehen regelrecht Leben auf dem Spiel.
Pixar liefert einmal mehr die nahezu perfekte Mischung aus Overcuteness im Figurendesign, wiedererkennbaren Charakteren (obgleich sich ein Gros des Figurenensembles aus Archetypen speist, also u.a. groß & schweigsam mit Herz, klein und unscheinbar mit Attitüde, usw.) und Humor; Humor der glücklicherweise im Subtext erwachsen genug ist, um sowohl Kita-Bevölkerung als auch deren Financiers zu unterhalten. Pure Zurückhaltung, dass ich dem Film auf Letterboxd kein 5-Sterne-Rating gegeben habe. HOPPERS etabliert frühzeitig zwei Komponenten: melancholische Zwischentöne und kinetische Comedy – beides wird konsequent bis zum Finale durchgehalten. Genau das hält bei der Stange … oder am Stamm.
Und jetzt…
TOP 7 BRÜCKENFILME
DIE BRÜCKE AM KWAI (1957): Deine Eltern kennen den...
1943: Eine Gruppe britischer Soldaten, unter Leitung von Oberstleutnant Nicholson (Alec Guinness), in japanischer Kriegsgefangenschaft, soll in Burma eine Brücke über den Mae Nam Khwae Yai errichten. Bald gibt es im Lager Zwist & Drama zwischen falschem Ehrgefühl & verletztem Stolz. Bei aller Liebe zur Frotzelei: »Die Brücke am Kwai« ist ein Stück hervorragendes Schauspielkino, mit großen Bildern und einem fantastischen Soundtrack von Malcom Arnold. Hier gehts zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=jHDoxbOIugQ
DIE BRÜCKEN AM FLUSS (1995): Filmische Nachlassverwaltung von und mit Clint Eastwood & mit Meryl Streep
Clint Eastwood (auch Regie) spielt Robert Kincaid, »ein Fotograf aus Bellingham, der für National Geographic die überdachten Brücken von Madison County fotografieren soll.« Meryl Streep spielt Francesca Johnson, »eine Mittvierzigerin, die mit ihrer Familie auf einer Farm in Winterset, Iowa, lebt.« Der Rest ist Amore, Herzschmerz und großes Drama, mit Clint Eastwood, der auch hier permanent so schaut, als ob er sich insgeheim fragt, ob er den Herd angelassen hat. Traurig. Auch: Tolle Brückenbilder! Hier gehts zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=-CajI4k6TB4
ATEMLOS VOR ANGST (1977): Sprengstofftransport über eine Hängebrücke. Huch.
Regisseur William Friedkin (Der Exorzist) liefert nicht weniger als eine äußerst spannende Hänge(brücken)partie zum Mitfiebern. Vier Misfits, darunter Roy Scheider (Das fliegende Auge) als abgebrühter Tagelöhner Jackie Scanlon, werden mit der Aussicht auf ein besseres Leben zu einem gefährlichen Auftrag überredet: sie sollen eine Nitroglyzerin-Sprengstoff-Ladung durch den südamerikanischen Dschungel transportieren. Eine marode Hängebrücke wird zum zentralen Dreh- und (H)Angelpunkt. Hier gehts zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=xFzeniiZt8s (US)
UNTER DEN BRÜCKEN (1944/45): Deutsches »Überläufer«-Filmdrama im Havelland
1944: Eine ruppige Dreiecksbeziehung zwischen den passionierten Lastkahnbesitzern Hendrik & Willy auf der einen und der vom Leben desillusionierten Anna auf der anderen Seite … that’s it.
Die Story ist jetzt wenig mehr als der Plot von »Zweiohrküken«, aber der Kontext der Entstehung macht den Streifen sehr besonders. Er ist ein bekannter Vertreter sogenannter Überläuferfilme (Leuchtkraft 2019, Journal DEFA-Filmstiftung als PDF), also jene Filme, die kurz vor Kriegsende in Deutschland produziert und/oder fertiggestellt wurden, aber erst nach Kriegsende veröffentlicht. Hier gehts zu einem Ausschnitt: https://www.youtube.com/watch?v=S82ez0eEhS0
X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND (2006): Die fliegenden Brücken von Alcatraz
Der ursprüngliche große Abschluss der ersten X-Men-Trilogie besticht durch eine wuselige Story, um ein Anti-Mutanten-Heilmittel, Jean Greys (Famke Janssen) Wiedererwachen als das Superwesen Phoenix und ganz viel Superhero-Gekloppe – so weit, so bekannt. In einer spektakulären und relevanten Sequenz verlegt Superschurke Magneto (Ian McKellen) die komplette Golden Gate Bridge, um ein Forschungslabor auf der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz zu erreichen. Wäre in Magdeburg zum Beispiel undenkbar! Vermutlich würden die Brücken einfach zerbröseln ... Hier gehts zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=kN-qQsuB2cs
FINAL DESTINATION 5 (2011): Brückenkatastrophe mit Splatternote
Natürlich ist eine Brücke rein dramaturgisch auch ein Angstobjekt, so wie ein Flugzeug, ein Auto oder dergleichen. Man ist ausgeliefert. »Final Destination 5« startet das gewohnt Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Tod als gestaltlose Kraft mit Hang zu dramatischen Unfallsituationen und den Überlebenden in dieser Fortsetzung auf einer Brücke, mit einem rasanten und wie üblich einfallsreichen Katastrophenszenario, das man als Horrorfan durchaus mal gesehen haben darf. Hier gehts zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=AyanONHYHyM
TANZ DER TOTEN SEELEN (1962): Minimalistisches Meisterwerk des Schauerkinos!
GUCK DEN! JETZT! Nach einem schweren Autounfall an einer Brücke, entkommt Mary (Candace Hilligross) nur knapp dem Tod und wird fortan von erschreckenden Gestalten und Visionen heimgesucht. Der Film ist ein inspirierendes Stück Schauer, vor alle für die Indieszene: Schauspiel, Timing und ‘ne gute Idee – dann geht es plötzlich nicht mehr nur um Effektbudget. Hier gehts zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=tqMEbW7Pe2I
Meine Begeisterung für »Carnival of Souls« (OT) floss seinerzeit in folgendes Musikvideo für die Freunde von Harlekeen:
Sind Kolumnen eine Brückentechnologie? Tell me: rob@dates-online.de
PS: Du bist Kreativkopf in Magdeburg oder Umgebung? Dann schau doch mal beim monatlichen Treffen des Netzwerkes NMC (New Magdeburg Cinema) vorbei. Austausch über Projekte und Netzwerken ohne Stress.
Schreibt einfach 'ne Mail an new-magdeburg-cinema@gmx.de oder schau auf Instagram vorbei: https://www.instagram.com/new_magdeburg_cinema
PPS: Den Podcast zur Filmkolumne gibts überall kostenlos zu hören!

