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Die Magdeburger Filmkolumne - 1
Мир для України!
Low-Budget-Horrorfilme ziehen dem Hollywoodsystem gerade den Arsch auf Links. Okay, Low-Budget bedeutet in Übersee knapp 1 Million US-D (OBSESSION) und 10 Millionen US-D (BACKROOMS – okay, nicht super low) – hierzulande heißt „wir drehen einen Low-Budget-Horrorfilm“ in aller Regel ein Rückstellungsvertrag (so denn jemand einen aus dem Netz kopiert) und eine Diskussion darum, ob Anreise übernommen werden kann; aber hey „es gibt natürlich Catering“.
Beide Filme haben das Global Box Office zerrissen . OBSESSION spielte weltweit knapp 474 Millionen US-Dollar ein und BACKROOMS immerhin über 390 Millionen. Phänomene – nicht weniger. Während OBSESSION-Mastermind Curry Barker eher den Nerv einer Generation trifft – Was passiert, wenn verzweifelte Junggesellen Frauen zu Objekten degradieren, die es in Schach zu halten gilt? (siehe auch COMPANION, DON’T WORRY DARLING) -, ist BACKROOMS das logische Ergebnis von Hollywoods verzweifelter Suche nach originären Stoffen, die trotzdem das Potenzial einer pre-sold IP mitbringen, also Intellectual Properties, die das Publikum schon kennt. Und dafür ist die Netzkultur ein bisher kaum geplündertes Terrain und birgt für den Genrefilmsektor schier endloses Potenzial für die kommenden zehn Jahre. BACKROOMS etwa basiert auf der gleichnamigen Creepypasta, bzw. auf der gleichnamigen Webserie von Regisseur Kane Parsons, der als Web Creator Kane Pixels erfolgreich in kurzen und langen Videos die Story der ominösen, endlos monotonen und gelbstichigen Labyrinthe erzählte. Das Ganze frönt dem Found Footage-Look und lässt ich mühelos ins Subgenre des Analog Horror einsortieren (siehe Nachgeschaut #92 für passende Anschautipps). Die Schnittmenge der Backrooms-Lore: Verschiedene Charaktere verirren sich in einem unnatürlichen Labyrinth, das physikalische Regeln aushebelt und je nach Areal von grotesken Figuren bewohnt wird. Der Kinofilm bearbeitet das Thema in Summe zwar konventioneller als nötig und erklärt sich womöglich etwas zu stark, aber dem Erfolg dieser Creepypasta-Adaption tat das keinen Abbruch. Unvermeidbar sind die nun folgenden Adaptionen anderer Webserien, Creepypastas und erfolgreicher Online Lore. Aus den Fehlern der generischen SLENDER MAN-Adaption (2018) haben die Studios gelernt, hoffentlich, und so hat sich Steven Spielbergs Amblin Entertainment nun die Rechte für eine Adaption der Analog Horror-Webserie THE MANDELA CATALOGUE gesichert, in der die fiktive Kleinstadt Mandela County von bizarren Kreaturen heimgesucht wird; Doppelgänger-artige Kreaturen, die ihre Opfer streckenweise in den Suizid treiben, Rundfunksignale manipulieren können und mit allerlei religiös aufgeladener Ikonografie daherkommen. Außerdem zur Stoffentwicklung freigegeben ist ein Langspielfilm um die Figur SIREN HEAD (geschöpft vom kanadischen Illustrator Trevor Henderson); am Drehbuch soll Zach Cregger (WEAPONS) mitschreiben. Der US-Sektor ist also versorgt – und hier?
Magdepasta
Beklemmende Flächen, seltsame Nachtgestalten, Gruselgeschichten vom Hörensagen: Wo bleiben die Creepypastas aus Magdeburg? Hat jemand Ideen? Bestimmt! Ansonsten hier drei Creepypasta-Stories zum Weitererzählen:
Wenn Du ganz lange unter der Behelfsbrücke am Dammi stehen bleibst, hörst Du das Bröckeln der alten Brücke. Und dieses Geräusch hörst Du auch noch, wenn Du zuhause bist, immer lauter. Und irgendwann wirst Du von Brückenteilen erschlagen, die es eigentlich nicht mehr gibt.
Wenn Du zwischen Mitternacht und 2:31 Uhr an die Ostseite des Magdeburger Doms urinierst, stehst Du plötzlich mutterseelenallein auf dem Domplatz, während die Wasserspiele Dich nicht mehr rauslassen. Okay, ist actually ne bessere Saufgeschichte. Aber creepy auch… kind of.
Verschiedene Menschen berichten, dass sie eine grotesk eckige Gestalt in der Mitte des Hasselkreisels gesehen haben, die ihnen mit einem abgerissenen blau-weißen Schal zugewunken hat. Einige haben zurückgewunken und wurden nie mehr gesehen.
Nachgeschaut Leserpost
Auf die Printausgabe dieser Kolumne bekam ich tatsächlich Leserpost, mit einem Vorschlag für eine Magdepasta. Diese möchte ich nicht vorenthalten - muss es aber noch, weil ich noch keine Rückmeldung bekommen habe, ob ich die Zusendung denn veröffentlichen darf oder nicht. Wenn ihr mir schreibt, sagt doch gerne dazu, ob eure Leserpost im Rahmen der Kolumne publiziert werden darf – ausschnittsweise oder vollständig. Gracias.
„...“ – ???
Something more? Tell me: rob@dates-online.de
PS: Du bist Kreativkopf in Magdeburg oder Umgebung? Dann schau doch mal beim monatlichen Treffen des Netzwerkes NMC (New Magdeburg Cinema) vorbei. Austausch über Projekte und Netzwerken ohne Stress.
Schreibt einfach 'ne Mail an new-magdeburg-cinema@gmx.de oder schau auf Instagram vorbei: https://www.instagram.com/new_magdeburg_cinema
PPS: Den Podcast zur Filmkolumne gibts überall kostenlos zu hören!

