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Die Magdeburger Filmkolumne - 1
Мир для України!
Diese Kolumne ist ein reines Urlaubsprodukt. Gerade sitze ich in der Toskana, schlürfe keinen Cocktail sondern Wasser, habe mir den Touri-Katholizismus in Florenz gegönnt und mich die ganze Zeit gefragt, was ich in meiner Kolumne; in diesem schmalen Streifen über Film eigentlich besprechen soll.
Italienische Filme werde ich besser nicht besprechen, dafür ist Kollege Lars Johansen besser geeignet. Aber wenn ich hier so Gruppendynamiken beobachte und die brennende Sonne spüre, während ich schon beim Bestellen eines Kaffees zur falschen Uhrzeit an einem Culture Clash vorbeischramme, fällt mir ein, dass das Sub-Genre des „Urlaubsfilms“ eigentlich noch keines ist. Es ist mehr ein Un-Genre - ein Mix aus lose verknüpften Versatzstücken, die es immer wieder in wechselnder Konstellation in Filme schaffen, damit die Gier des Publikums befriedigt wird, einmal zu imaginieren, wie es wohl wäre, wenn der Urlaub mehr wäre, als All-Inclusive-Cocktail-Saufen am Pool. Diese Elemente finden wir in anderen Sub-Genres wie dem ROADMOVIE (z.B. Eurotrip) oder jedem JGA-FILM (JungGesell:innenAbschied; z.B. Hangover, JGA, etc.). Die passende Watchlist gibts am Ende, aber versuchen wir doch mal ein Grundbesteck zu eruieren.
Bezeichnend für unsere Un-Genre ist die unabdingbare Motivation der Protagonist:innen, mit Karacho aus dem Alltag ausbrechen zu wollen. Paradebeispiel ist hierbei der Klassiker DIE SCHRILLEN VIER AUF ACHSE (1983), der uns mit seinem Originaltitel „Vacation“ (Urlaub, Ferien) ja sogar regelrecht einen Urlaubsfilm vorflunkern will, dabei aber doch den Roadtrip einer US-Suburb-Family zeigt, deren Patriach den Jahresurlaub auf Krampf damit verbringen will, zu einem Freizeitpark zu kutschen. Der deutsche BALLERMANN 6 (1997, mit Urgestein Tom Gerhart in seiner Paraderolle des Proto-Proleten „Tommy“) scheint sich als Urlaubsfilm anzubieten, entpuppt sich bei genauere Hinsehen aber als mit Machismo aufgeladenes Buddy Movie, dessen zwei Turbo-Proll-Protagonisten sich im Grunde gegenseitig mehr lieben als die abgekultete titelgebende Feiermeile auf Mallorca; gilt auch für den ähnlich gelagerten FEUER, EIS & DOSENBIER (2002) Der deutsche JGA: JASMIN. GINA. ANNA. (2022) (hach, Deutschland, Deine Filmtitel) offeriert auf den ersten Blick einen Urlaubsfilm, mit der JGA-getriebenene Flucht aus dem Alltag, nach Ibiza, inklusive Feierei und Eskalation. Vor Ort entspinnt sich dann ein (Ex-)Beziehungsdrama und Freundschaften stehen auf Kipp. Hoppala. In dieser, meiner kleinen, sträflich zusammengeschusterten Betrachtung darf ein Film nicht fehlen: MAN SPRICHT DEUTSH (1988), eine Satire, die jene überbordende Kartoffeligkeit der Deutschen in den Mittelpunkt rückt, die in weiten Teilen bis in die Gegenwart überdauert hat – inklusive Pingeligkeit und der Verteutonisierung italienischer Urlaubsareale. Wir resümieren an dieser Stelle also, dass das Sub-Genre des Urlaubsfilms auch nach dieser Kolumne keines ist, aber in jedem Fall ein exzellentes Vehikel für andere Geschichten. Nun, das hat sich ja mal wieder gelohnt. Danke für die Aufmerksamkeit und einen guten Urlaub.
WATCHLIST: (keine) Urlaubsfilme
DIE SCHRILLEN VIER AUF ACHSE (1983)
HANGOVER (2009)
JGA: JASMIN. GINA. ANNA. (2002)
MAN SPRICHT DEUTSH (1988)
EAT PRAY LOVE (2010)
Es gibt den ultimativen Urlaubsfilm? Hinweise an rob@dates-online.de
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PPS: Den Podcast zur Filmkolumne gibts überall kostenlos zu hören!

