Manchmal wird Gewalt in dem Moment geboren, in dem man einem fünfjährigen Kind das Matchboxauto aus dem Westen wegnimmt. Der Vater ermutigte seinen Sohn, sich gegen das ungerechte Verhalten der älteren Jungs zu wehren. Mit List und einem Tritt gegen die Kniescheibe verlangte der Junge sein Spielzeug zurück und kämpfte dagegen an, von oben herab behandelt zu werden. Von da an klärte er seine Probleme selbst. Die Erzählung stammt aus einem unveröffentlichten Memoir eines ehemaligen Skinheads, welches der Autor Stefan Wellgraf nach einem Interview zur Verfügung gestellt bekommen hat.
In seinem Buch „Staatsfeinde. Rechte Subkulturen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren“ zeigt der Soziologe, wie im Osten Ressentiments gegen staatliche Eliten entstanden sind, sich nach der Wende weiter verfestigten und somit zum Ausgangspunkt für den Rechtspopulismus wurden. Im Fokus stehen aufmüpfige DDR-Jugendliche, die sich durch Gewalt von der vermeintlichen Opfer-Rolle abkehrten, durch antiautoritäre Neigungen mit dem Staat aneinandergerieten und sich aus Protest rechten Subkulturen zuwandten. Das Werk basiert auf mehrjährigen Feldforschungen und Archivrecherchen. Wellgraf stammt aus Ost-Berlin und studierte Kultur- und Sozialwissenschaften in Berlin, Frankfurt (Oder) und Paris. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Und nu?!“ mit dem Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Johannes Beleites, und Sarah Thäger vom Literaturhaus Magdeburg e. V., stellt Wellgraf sein Werk vor.
© Engelhardt
Kulturzentrum Moritzhof
Moritzplatz 1, 39124 Magdeburg
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