© KJH
Graffiti an der Fassade des KJH Knast
An hohen Mauern vorbei kommt man auf den Vorhof des Kinder- und Jugendhauses „Knast“. Wo früher ein schweres Eisentor Blicke von außen abschirmte, hat es Grafitti in jede Ecke geschafft. Am Eingang steht eine Gruppe von Teenagern, redet über Musik und das anstehende Open Air zum Jubiläum. Die Einrichtung für offene Jugendarbeit gibt es nun bald 35 Jahre. Im Gebäude wird gespielt, gelacht, im Garten getobt und gekickt. Die Geräuschkulisse klingt wie auf dem Schulhof, nur ohne Klingel. Dass man sich hier im Sozialtrakt eines ehemaligen Stasigefängnisses befindet, gleich neben dem Backsteinhaus mit den Zellen, lässt sich höchstens noch an den alten Stahlschränken erahnen.
Einen schmalen Gang hinunter sitzt Sascha Klinge. Seit 7 Jahren leitet er den „Knast“. Kurze Hose und lange, teils gefilzte Haare sind ein Überbleibsel seiner jungen Jahre als Punk. Es müsste 1992 gewesen sein, als er sich hier erstmals auf Konzerten rumgetrieben hat: „Die 90er waren wild. Es gab einen rapiden Rechtsruck und die hohen Mauern hier boten gewissen Schutz.“ Während der Baseballschlägerjahre waren Räume für alternative Subkultur rar. Nach der schrittweisen Auflösung der Stasi besetzten Linksalternative im Frühjahr 1990 den Sozialtrakt der Untersuchungshaftanstalt und nutzten ihn als Anlaufpunkt für Kunst, Kultur und Musik abseits des kommerziellen Mainstreams. „Da war ich zwar noch nicht dabei, aber von den Wegbereitern weiß ich, es war von Anfang an der Plan, einen Verein zu gründen und den Ort langfristig nutzbar zu machen,“ erzählt Sascha. Die Legalisierung des Projekts ging schnell voran. Nach Verhandlungen mit der Stadt übernahm diese die Förderung und der Evangelische Kirchenkreis Magdeburg die Trägerschaft.
Sascha absolvierte seinen Zivildienst hier und kam nach der Ausbildung zum Erzieher als Mitarbeiter zurück. Um die 80 „Kids“, wie Sascha sie junggeblieben nennt, sind hier üblicherweise. Angebote wie Tischtennis, Kicker, Basketball, Volleyball sowie Koch-, Back- und Kreativworkshops bieten Freizeitmöglichkeiten, um „nicht auf dumme Gedanken zu kommen,“ so Sascha. Mit der Gründung des Heizhauses verteilte sich die Szene und der „Knast“ wurde zum Stadtteilzentrum.
„Von der Subkultur merkt man noch total viel,“ grinst Robbe Schmidt. Mit den Vereinen „The MD Project“ und „Prison Riot“ organisiert er seit Jahren Punk-Konzerte im Knast. „Bis heute machen wir Gigs ohne kommerzielle Absichten und so günstig für wie möglich zugänglich“. Das alljährliche MD Project Openair bildet das Jubiläumsfest zu 35 Jahren Knast. Punkheadliner ist „Hass“, eine Legende, die schon in den 80ern gespielt hat. „Erection“ und „Messerschießerei“ machen kraftvollen Punk. Die Exilrussen „Siberian Meat Grinder“ sind die Hardcore-Headliner, gefolgt von „Lifesick“ und Robbes Band „Out for Change“. Eröffnet wird das kleine Festival mit sieben Bands von „stand the strain“.
Gerade im Winter, wenn der geräumige Außenbereich nicht ausgiebig genutzt werden kann, wird es ziemlich voll im offenen Türbereich. Anfang des Jahres hat der Stadtrat beschlossen das KJH zu sanieren und zu erweitern - wenn nötig auch ohne Fördermittel aus dem Städtebauprogramm. Trotz angespannter Lage beim Magdeburger Haushalt sagt Klinge: „Ich hoffe auf die Umsetzung, um den Bedürfnissen unserer Kids gerecht zu werden.“
Zum Open Air: 35 Jahre Knast
Karten: 15 im Vvk., online sowie im Tattoostudio Eisenherz
© Kinder- und Jugendhaus "KNAST"
KJH Knast
Umfassungsstr. 77, 39124 Magdeburg
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Mo/Di 13-20 Uhr, Mi/Do 14-21 Uhr, Fr 14 - 22 Uhr

