© Anselm Hanusch
Rius Reiser und Yous39
Yous39 schaut aus dem Fenster auf die grauen Wolken: „So ein Wetter ist für mich perfekt zum Schreiben. Da werde ich etwas melancholisch und denke intensiver über die Dinge in meinem Kopf nach.“ Gerade seine deeperen Songs sind es, die auf Streamingplattformen locker ins Sechsstellige schießen. Er rappt vom Lungern mit den Freunden, langen und harten Nächten in SFO, über labernde Politiker und rassistische Polizisten. „Aktuell finde ich es besonders wichtig, dass HipHop wieder ein Sprachrohr wird,“ sagt der 24-Jährige. Er selbst ist zwar relativ privilegiert aufgewachsen, einige seiner Freunde aus verschiedenen Gründen jedoch nicht.
Groß geworden ist Yous in Salzwedel. Schon in der Grundschule nur eine Bank, nachmittags ein Dorf entfernt ist sein Kumpel Rius Reiser. Er fängt an Beats zu bauen, als Yous erste Rapversuche startet. Das Studium zog beide irgendwann nach Magdeburg.
Während frühe Veröffentlichungen von Yous39 noch von Ami-Rap, vor allem in Richtung Trap geprägt sind, laufen heute eher deutschsprachige Künstler wie Luvre47 oder Dietrich42 auf seinen Kopfhörern. Rius im Gegensatz feiert klassische Beats wie bei Kool Savas oder Hypnotize. Diese Differenz hält sie aber nicht davon ab, zusammen Mucke zu machen. „Man kann sich das Vorstellen wie einen Doppelpass. Ich baue etwas, er schreibt dazu, dann kommt die nächste Idee zum Beat und so weiter,“ erklärt Rius. Ein Großteil von Yous Tracks laufen auf Reisers Beats.
Mit der 39 im Namen und unzähligen Referenzen repräsentierte er Salzwedel und Magdeburg unter anderem schon auf dem Splash oder erst kürzlich in Wiesbaden bei einem Konzert des Newcomers Buffalo. Dieser kommt nun als Gast Act zu Yous und Rius Konzert in Luises Garten, ebenso wie Rapper MVIK.
In seinem neuen Song „Was noch kommt“ rappt Yous39: „Irgendwann scheiß ich auf alles und dann fick ich auf ein Job“. Mit den ersten größeren Erfolgen kam auch der Traum auf, mit Musik finanziell unabhängig zu werden. Bis dahin will das Duo auf jeden Fall einen Musikurlaub mit Freunden machen und mehr außerhalb auftreten. Vielleicht wird ja eine kleine Tour daraus.
© Michael Hünerbein

