1 von 2
© privat
Hyparschall
2 von 2
© Dirk Mahler
Thomas Koch
Im 2015er Dokumentarfilm „Magdeburg sein“ stiegen vier Jungs, eine fiktionale Band darstellend, illegal in die brachliegende Hyparschale ein. Zehn Jahre später präsentieren diese vier Magdeburger als echte Band „Hyparschall“ ihr aktuelles Werk „KRA! Der Zyklus“ – auf Vinyl, CD und natürlich krachgewaltig auf der Bühne. Im einzelnen sind es Matthias Max Herrmann und sein expressives Bassspiel, dazu das Percussion-Unikat Andreas Gentzsch und schließlich das famose, wie zentrale Text/Musik-Duo Thomas Koch und Gerald Rabe. Verbindendes Element der elf Songs auf Hyparschalls drittem Album sind Tiere.
Auslöser für den Tierzyklus war der Tod des Magdeburger Malers Holger Wenke. Man wollte mit einem Song zur Trauerfeier beitragen. Wenkes Status als künstlerisches Chamäleon verbunden mit der Frage, was man tun würde, wenn man nur noch einen Tag zu leben hätte, führten zum Song „Eintagsfliege“. Danach kam ein Tier zum anderen, aber eben nicht parabelartig als Verkörperung menschlicher Stereotype und Charaktereigenschaften, sondern mit dem Fokus auf deren Stärken und Qualitäten, eher als Krafttier, Begleiter und Seelengefährte. Die Songs wurden in einem Take in der Sudenburger Feuerwache aufgenommen, der Livesound dabei unverfälscht eingefangen. Zuzüglich einiger Overdubs, Pauken und Glocken oder dem ganz eigenen Sound von Hermanns Wurlitzer Orgel wurden die Songs letztendlich von niemand geringerem als Boris Wilsdorf gemastert, dem sonst Szenegrößen wie die Einstürzenden Neubauten und Caspar Brötzmann vertrauen. Hyparschall verarbeitet dabei ganz bewusst Stimmungen, Poesie und Bilder. Pop-Songs wollen sie keine schreiben, stattdessen brechen sie deren Strukturen auf, nagen den ollen Rock bis auf die Knochen ab und sind vor allem wieder eines: hypnotisch, treibend und irgendwie magisch. Rauer noch als auf ihrem Vorgänger-Album kommen sie daher, weniger technisch, aber noch immer voller Überraschungen. Das alles ist sehr eindringlich, poetisch und reduziert. Die Songs bauen sich regelrecht auf. Bevor Kochs rezitativer Gesang einsetzt, hat man gerade genug Zeit, die halbgerauchte Zigarette im Aschenbecher zu vergessen. Es ist bewundernswert, wie weit draußen diese Typen schweben. Es ist ein tolles Album, das einen mit wiederholtem Hören um den Finger wickelt und nicht mehr loslässt. Und das sollten wir zusammen feiern.
© E. Dudek
Feuerwache
Halberstädter Straße 140, 39112 Magdeburg
Bitte aktivieren Sie JavaScript.
Di u. Do 11-17 Uhr und zu Veranstaltungen


