© Robert Ziep
Paul und Santo beim Musikvideodreh
„Jetzt muss was kommen, das aufs Maul gibt,“ schmunzelt Harlekeen-Sänger Santo Boese. Ca. ein Jahr nach erfolgreichem Release ihres Albums „Wunderland“, mit dem sie einige Konzerte in der Stadt und Sachsen-Anhalt gespielt haben, will das Duo mal wieder Musik machen, die nach vorne prescht. Weniger verträumt und verkopft als das Konzeptalbum. Nicht zuletzt war es der Aufschwung progressiver Künstler im Deutschrap, der Santo ermutigte wieder mehr in Richtung HipHop zu produzieren. „Man kann also auch von seinem Alltag rappen, ohne dieses ganze Macho-Gehabe,“ sagt er. Sechs Songskizzen haben Paul und Santo nun vollendet. Zeit für ihre EP „freie Liebe, freies Bier“.
Tanzbar waren Harlekeen-Songs schon immer. Aber nun reden wir nicht mehr von gemächlichem Mitschwingen und Singen sondern von springen und schreien. Die Bock-auf-Party-Stimmung kommt vor allem in den Singleauskopplungen „Lost“ und „Mischkonsum“ heraus. Doch kein Projekt ohne gesellschaftliche Komponente: oft spürt man Santos Kulturpessimismus. „Ich glaub das ist immer so, wenn man in Ostdeutschland aufwächst. Klar gibt es Möglichkeiten und Angebote, aber eben viel ungenutztes Potenzial. Wir bekommen das ja aus der Subkultur mit. Es ist immer ein Kampf, dass Leute, die etwas bewegen wollen keine Steine in den Weg bekommen.“
Die ansteckende Energie von Harlekeen-Konzerten entspringt nicht nur der bewegungsreichen Gesangsperformance von Santo sondern auch Pauls kolossalem Schlagzeug. Durch seinen leidenschaftlichen Spielstil und die Tatsache, dass die Drums generell live gespielt werden, rücken die treibenden Beats noch mehr, noch näher ans Publikum. Als Openair Location bietet der verwunschene Luises Garten ihrem Sound genug Raum, sich auszubreiten. Dort spielt Harlekeen die neue EP und das Beste vergangener Platten.
Mit dabei haben sie die aufstrebende Musikerin Elva Skyn aus Leipzig. In ihrem atmosphärischen Mix mit leisgehauchter Stimme und experimentellen Popbeats konfrontiert sie ihre Unsicherheiten, Ängste und Gefühle. Durch tiefe Bässe erzeugt Elva Skyn ein Flair, das düster ist und von Spannung lebt.
© Michael Hünerbein


