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Midsommernacht 2019
Höchstpersönlich rollte im Herbst 1865 der preußische König Wilhelm I. im Sonderzug an, um die neue Defensivkaserne Mark und das Ravelin vorm Hohenpforte-Tor in Augenschein zu nehmen. Der König besichtigte die Kaserne, sah sich das mit „Gaserleuchtung“ erhellte Casino an und speiste in der Offiziers-Speiseanstalt am Tränsberg zu Mittag.
Die Kaserne Mark stellte damals einen völlig neuen Kasernentyp dar: die verteidigungs-
fähige Defensionskaserne, die Quartier für 800 Soldaten und zugleich ein wehrhaftes Festungswerk im nördlichen Wall war. In die ab 1863 errichtete Kaserne zog alsbald das Infanterieregiment Nr. 26 „Fürst Leopold I von Anhalt-Dessau“ ein. Die Stuben verteilten sich über drei Stockwerke, hatten eine Größe von rund 6 mal 11 Meter, in denen 15 bis 16 Soldaten unterkamen.
Keine 20 Jahre später veränderte der neu erfundene Sprengstoff Melinit und die damit befüllten Brisanzgranaten alles. Mit ihrer verheerenden Sprengkraft konnten sie die gemauerten Deckengewölbe der Kasematten durchschlagen. Auf einen Schlag galten alle Festungsanlagen militärisch als veraltet.
Mit dem im März 1888 geschlossenen „Vertrag über den Verkauf der Nordfronten zu Magdeburg an die Stadtgemeinde“ veräußerte der Reichs-Militär-Fiscus schließlich die Flächen der Nordfront. Mit dem darauf entstehenden neuen Viertel wurde ein städtebauliches Ziel gesetzt: Eine repräsentative Bebauung mit viel Grün, das es in der eng gebauten Altstadt nicht ansatzweise gab. Auch am Hohepfortewall vor der Kaserne Mark pflanzte man eine Vielzahl junger Bäume. Im Park siedelte sich noch in den 1890er Jahren eine Freiluftwirtschaft an, die zum Anziehungspunkt für Leute aus der engen Altstadt wurde.
Nach dem Ersten Weltkrieg begann die Stadt mit dem Umbau der Kaserne zum Arbeitsamt. Die baulichen Veränderungen waren tiefgreifend, um das Gebäude mit Brücken und Treppen zum Hohepforte Park hin zu öffnen, es gegenüber der militärischen Nutzung quasi „umzudrehen“.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kaserne 1944 von einer Sprengbombe getroffen, die in den Ostflügel ein 20 Meter breites Loch riss, so dass der beschädigte Ostflügel nach dem Krieg abgerissen wurde.
In DDR-Zeiten wurde die Kaserne lange gewerblich genutzt, ehe es Anfang der 1980er Jahre erste Ideen für ein studentisches Kulturzentrum gab, aber die blieben ebenso Papiervorlage wie die Investorenpläne aus den ersten zehn Jahren nach der Wende.
Im Jahr 2001 kam alles zusammen: In der Stadt stand die OB-Wahl an, Universität und Stadt beschlossen eine Kooperationsvereinbarung mit dem Ziel, die Hochschule sichtbarer in die Stadtzu integrieren. So kam es zu der vom KulturSzeneMagdeburg e.V. getragenen studentischen Initiative „Kaserne Mark – eine Kulturfestung für Magdeburg“. Ab August 2001 war der Verein offiziell Träger des Projekts „Kulturfestung Mark“.
Es folgten Jahre der Sanierung, ehe 2004 beim Stifterfest die Grundlage für die tragende Kulturstiftung Mark gelegt wurde. Beeindruckend: bis heute ist es deutschlandweit die Stiftung mit den meisten Erstunterzeichnern.
Über die zwei Jahrzehnte hat sich die Kulturfestung Mark zum lebendigen Ort für Magdeburg entwickelt, der eine lebendige multikulturelle Brücke zum Campus der Universität schlägt. Nun gilt es zu feiern – und vorauszuschauen, auf die nächsten 25 Jahre.
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Festung Mark
Hohepfortewall 1, 39104 Magdeburg
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